Naturmedizinischer Wirkstoff Breitwegerich

Plantago major

Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)

Wie der Name schon verrät: Der Wegerich wächst am Weg. Man findet sowohl den Spitzwegerich als auch den Breitwegerich auf Gras- bzw. Rasenflächen, wenn sie nicht „überpflegt“ sind. Alle Wegericharten vertragen Staunässe und sind tritt-unempfindlich. Deshalb kommen sie mit den schwierigen Lebensbedingungen am Wegesrand oder auf Tritt-Rasen gut klar. Das „-rich“ im Namen lässt sich ableiten von dem althochdeutschen Wort rih für König und bedeutet damit so etwas wie: „Herrscher der Wege“.

Auch der wissenschaftliche Name Plantago deutet auf das Vorkommen an den Stellen hin, wo wir unsere Fußabrücke hinterlassen: planta ist die Bezeichnung für die Fußsohle. Möglicherweise bezieht sich Plantago aber auch auf die fußähnliche Blattform des Breitwegerich. Nicht zuletzt lässt er sich auch als Hinweis auf einen der bewährten medizinischen Verwendungszwecke deuten.

Wie sieht Wegerich aus und wo kommt er vor?

Jeder, der sich für Pflanzen interessiert, kennt den Wegerich. Bei uns sind der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und der Breitwegerich (Plantago major) die beiden am meisten verbreiteten und bekannten Arten.

Es handelt sich um ausdauernde Pflanzen, deren Blätter meist nah am Boden Rosetten bilden, sodass sie auch beim häufigen Mähen nur oberflächlich verletzt werden. An besonders günstigen Standorten werden die Pflanzen aber auch sehr üppig. Auffällig ist, dass die Blattnerven der Wegerich-Blätter parallel verlaufen. Das ist sonst eher ein typisches Merkmal der Gräser. Aus der Blattrosette wachsen einige Stiele, an deren Enden ein ährenförmiger Blütenstand sitzt. Auch dieser Blütenstand ist dem einiger Gräser ähnlich. Insbesondere den Spitzwegerich kann man daher auf einer Wiese durchaus auch mit Gras verwechseln.

Der Breitwegerich hat – wie der Name verrät - breite, parallelnervige Blätter. Bei ihm ist die Blattrosette besonders deutlich ausgebildet. Die ährenförmigen Blütenstände sind langgezogen. Beim Spitzwegerich sind die schmalen, lanzenförmigen (Plantago lanceolata) Blätter eher schief aufrecht gerichtet. Der Blütenstand ist kürzer und eiförmig bis walzig. Nur, wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die vielen winzigen einzelnen Blüten schmutzig-weiß sind. Besonders auffällig sind die Staubgefäße, die weit aus der Blüte herausragen. Der Spitzwegerich ist deutlich anspruchsloser als der Breitwegerich. Man findet den Spitzwegerich auch auf sehr trockenen Standorten und im Gebirge.

Ursprünglich sind Spitzwegerich und Breitwegerich in Eurasien beheimatet. Aufgrund der Anspruchslosigkeit und der bemerkenswerten Verbreitungsstrategie hat sich aber insbesondere der Spitzwegerich inzwischen die ganze Welt erobert.

Fußstapfen des weißen Mannes: mit Schleim die Welt erobert

Als „Fußstapfen des weißen Mannes“ bezeichneten die Indianer das neue Vorkommen des Spitzwegerichs in ihrer Heimat, nachdem die Spanier für dessen Verbreitung gesorgt haben. Das machten die ersten spanischen Siedler nicht etwa bewusst. Vielmehr ist die Verbreitungsstrategie der Wegerich-Samen so einfach wie genial:  Die Samenschalen quellen stark auf. Durch diese Schleimbildung haften sie gut – u.a. an Schuhsohlen. So können sie Meere und Kontinente überqueren. Das ist aber auch eine der Eigenschaften, die die Wegeriche zu wertvollen Heilpflanzen machen.

Wegerich als Heilpflanze

Breitwegerich und Spitzwegerich waren schon in der Antike und im Mittelalter beliebte Heilpflanzen mit vielfältigem Anwendungsbereich. Die Pflanzen sind ein typisches Beispiel für die bei Kräuterkundigen verbreitete Theorie, dass Heilpflanzen oft genau da wachsen, wo man sie braucht. Wanderer werden gleich am Wegrand fündig, wenn es um typische Beschwerden unterWEGs geht.

Wegeriche, die selbst so gut mit den schwierigen Lebensbedingungen verdichteter Böden an Wegrändern klarkommen, schenken ihre Heilkräfte den geschundenen Fußsohlen eines Wanderers. Auflagen von Breitwegerich-Blättern verwendete man früher auch als Wundauflage und zur Stärkung der strapazierten Füße. Man legte sie beispielsweise beim Laufen unter die Fußsohle.

Spitzwegerich dagegen hat sich in der Volksmedizin sehr gut bewährt als Erste Hilfe bei juckenden Insektenstichen. Dazu sollte man die jungen Blätter des Spitzwegerichs quetschen oder kauen, bis Saft austritt. Mit diesen zerquetschten Blättern betupft man die juckende Schwellung.

Auch zur ersten Wundversorgung – sogar von offenen Wunden - haben sich frische, gesäuberte Blätter vom Spitzwegerich exzellent bewährt.

Wegerich-Arten in der modernen Phytotherapie

So gut die bisher genannten Tipps aus der Erfahrungsheilkunde auch in der Praxis funktionieren mögen – ihre Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt und gilt daher nicht als anerkannt.

Man hat aber die Wirkung der Pflanzen und ihrer Inhaltsstoffe inzwischen auch sehr gut wissenschaftlich untersucht.

Deshalb wird insbesondere der Spitzwegerich, aber auch andere Wegerich-Arten in der wissenschaftlich-orientierten Phytotherapie eingesetzt.

Besonders wertvoll sind die Inhaltsstoffe, die auch als Schleimstoffe und Gerbstoffe bezeichnet werden. Schleimstoffe wirken reizmildernd auf Haut und Schleimhäute. Gerbstoffe wirken zusammenziehend. Man spricht von adstringierend. Sie sind dadurch wundheilungsfördernd. Hinzu kommt noch eine antibakterielle, also desinfizierende Wirkung weiterer Inhaltsstoffe.

Auf Grund dieser Wirkstoffe hat der Spitzwegerich eine - auch nach wissenschaftlichen Kriterien - anerkannte Wirkung bei

  • Entzündungen der Atemwege mit Husten
  • Schleimhaut-Entzündungen in Mund und Rachen
  • entzündlichen Veränderungen der Haut.

Zur innerlichen Anwendung gibt es beispielsweise Husten-Säfte aus Spitzwegerich in der Apotheke. Aber auch Frischpflanzen-Presssäfte und getrocknete und zerkleinerte Blätter sind im Handel erhältlich. Die Blätter sind häufig Bestandteil von Hustentee-Mischungen.

Man kann sich auch selbst einen Tee herstellen, indem man ca. 3 g der getrockneten und geschnittenen Blätter mit kochendem Wasser übergießt. Bei der Zubereitung als Tee geht allerdings die antibakterielle Wirkung verloren. Für Spülungen bei Entzündungen der Schleimhäute sind deshalb Frischpflanzen-Presssäfte besser geeignet.

Eine weitere Wegerich-Art ist inzwischen zu einer sehr bekannten und beliebten Heilpflanze geworden: Plantago ovata. Bekannt sind seine Samenschalen unter der Bezeichnung Flohsamen.

Bei dieser Art nutzt man die starke Quellfähigkeit der Samenschalen ganz gezielt für medizinische Zwecke. Die Schalen können mehr als das 50-fache an Wasser binden. Das macht sie so wertvoll als Darmregulans, denn sie unterstützen damit sowohl bei Durchfall als auch bei Verstopfung.

Während der Spitzwegereich überwiegend im Rahmen der Phytotherapie zum Einsatz kommt, spielt der Breitwegerich in der Homöopathie eine wichtige Rolle –und das mit ganz ähnlichen Einsatzgebieten.

Homöopathische Anwendung von Breitwegerich

Balsam für den Kopf unterstützt bei:

  • Schmerzen im Kopfbereich,
  • Entzündungen – v.a. der Zähne und der Ohren

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zum Breitwegerich in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.