Von Helga Wiesmann |

Das Reizdarmsyndrom

Kurz erklärt!

Das Reizdarmsyndrom (RDS) wird auch Colon irritabile genannt oder englisch: irritable bowel syndrome (IBS). Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Verdauungstraktes, die mit Beschwerden, wie Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall und Krämpfen einhergeht. Das Reizdarmsyndrom (RDS) wird auch Colon irritabile genannt oder englisch: irritable bowel syndrome (IBS). Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Verdauungstraktes, die mit Beschwerden, wie Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall und Krämpfen einhergeht.

In Mitteleuropa sind viele Menschen vom sogenannten Reizdarm betroffen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Symptome sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von moderaten Blähungen und Verdauungsbeschwerden bis hin zu schmerzhaften Krämpfen, Verstopfung und Durchfällen, die die Lebensqualität sehr beeinträchtigen können. Die Beschwerden treten über einen längeren Zeitraum auf, mindestens einen Tag pro Woche. Häufig liegt keine organische Erkrankung vor.

Was ist die Ursache für das Reizdarmsyndrom?

Die Ursachen sind noch immer Gegenstand der Forschung. Betroffene haben ein höheres Schmerzempfinden im Darm, das durch eine Hypersensitivität des autonomen Nervensystems ausgelöst wird. Die neuronale Steuerung der Darm-Hirn-Achse ist gestört. Dadurch kann es zu einer gestörten Darmbewegung kommen. Die Folgen sind Durchfall oder Verstopfung. Auch die Darmflora spielt bei der Erkrankung eine Rolle. Zudem kann eine Unverträglichkeit verschiedener Nahrungsmittel eine erhöhte Immunaktivität auslösen und so Teil der Ursache für das Reizdarm-Syndrom sein. 

Eine Schlüsselrolle spielt der Serotoninhaushalt, der beim Reizdarmsyndrom oft gestört sein kann. Der Botenstoff Serotonin wird unter anderem in der Darmschleimhaut gebildet und beeinflusst die Stimmung, die Schmerzwahrnehmung und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Das erklärt auch den häufigen Zusammenhang zwischen Depressionen und Reizdarm. Manche Patientinnen und Patienten profitieren deshalb von einer Behandlung mit einem Antidepressivum auch in Bezug auf die Bauchschmerzen und andere Symptome im Bauch.

Ursache kann ebenso ein, zuweilen länger zurückliegender, Magen-Darm-Infekt sein. Bislang ist jedoch noch nicht vollkommen geklärt, wie Viren, Bakterien oder andere Erreger die typischen Reizdarm-Symptome auslösen können.
Medikamente, die lange Zeit eingenommen werden müssen, wie zum Beispiel Krebs-Medikamente oder Arzneimittel zur Behandlung von Diabetes, können am Geschehen beteiligt sein.

Fazit: Beim Reizdarm-Syndrom greifen verschiedene Aspekte ineinander: Lebensmittel, die unverträglich sind und eine Immunreaktion auslösen, ein überaktives Darmnervensystem, psychische Faktoren, ein aus der Balance geratener Serotoninhaushalt und andere.

Wird das Reizdarmsyndrom vererbt?

Von einer Erbkrankheit im klassischen Sinne geht man nicht aus. Dennoch können Störungen im Darm-Nervensystem genetische Ursachen haben. Das ist eher der Fall bei Betroffenen, die an einem Reizdarm mit Durchfällen leiden. Hier hat sich gezeigt, dass Aufbau und Anzahl der Rezeptormoleküle in der Zellwand der Nervenzellen verändert sein können und dadurch die Reizweiterleitung im Darm gestört ist. 

Eine andere Art der „Vererbung“ sollte allerdings im Sinne eines geistig-sozialen Erbes ebenso in Betracht gezogen werden: Im familiären Zusammenhang werden Verhalten und Gewohnheiten weitergegeben. Das betrifft auch Ernährungsgewohnheiten und die Strategien zur Stressbewältigung, die sich oft von einer Generation auf die nächste übertragen. Beide Faktoren können die Entstehung des Reizdarm-Syndroms begünstigen. 

Wie wirkt sich Stress beim Reizdarm aus?

Stresshormone aktivieren die Nervenzellen der Darmwand. Das kann Symptome wie Durchfall, Verstopfung und Krämpfe auslösen. Anspannung, Sorgen und Ärger spielen beim Reizdarm eine große Rolle. Deshalb ist es so wichtig, dass Betroffene regelmäßige Entspannung und Maßnahmen zur Stressbewältigung in ihren Alltag integrieren. Prüfungsangst, Ärger im Büro und Zukunftssorgen sollte aktiv begegnet werden.

Welche Triggerfaktoren gibt es beim Reizdarmsyndrom?

Reizdarm ist eine multifaktorielle Erkrankung, die viele Gesichter hat. Verschiedene und sehr individuelle Trigger sind möglich: 
Die Ernährung wirkt sich auf den Verlauf aus, ebenso psychische Belastungen. Viele Betroffene reagieren zum Beispiel auf bestimmte Lebensmittel wie Weißmehlprodukte, auf Fructose-reiche und reife Früchte sowie auf kohlensäurehaltige Getränke. 
Angst, Nervosität, Kummer und schwierige Arbeitssituationen können sowohl einen Reizdarmschub auslösen als auch bereits bestehende Beschwerden verstärken.

Was sind typische Symptome beim Reizdarmsyndrom?

Verdauungsbeschwerden, wie Blähungen, Krämpfe, Verstopfung und Durchfall – oftmals auch abwechselnd – sind die häufigsten Symptome. Das Reizdarmsyndrom ist unterteilt in Untergruppen:

  • Durchfall-Typ
  • Verstopfungs-Typ
  • Schmerz-Typ
  • Blähungs-Typ

Oft treten alle Symptome gemeinsam auf oder sie vermischen sich. Völlegefühl, veränderte Stuhlfrequenz und -Konsistenz und das Gefühl, man könne sich nicht vollständig entleeren, sowie diffuse und dumpfe Bauchschmerzen können hinzukommen. Vor allem, wenn Durchfälle vorwiegen, sind Nährstoffverluste möglich. Die Folge können u.a. Müdigkeit und ein deutliches Energiedefizit sein. 

Das Reizdarmsyndrom kann außerdem zu Spannungskopfschmerz führen. Häufig ist es mit einem chronischen Müdigkeitssyndrom und sogar mit Depressionen und Angststörungen vergesellschaftet. Vorsicht ist geboten, wenn Betroffene denken: „Ich kann gar nichts mehr essen“. Zusammen mit damit verbundener psychischer Belastung kann das in eine Essstörung führen. 

Ist Reizdarm etwas Schlimmes?

Das kommt darauf an. Rund ein Drittel der Betroffenen suchen keinen Arzt auf. Sie haben gelernt, damit umzugehen bzw. versuchen, sich selbst zu behandeln. Dennoch kann das Reizdarmsyndrom zu einer sehr starken Einschränkung der Lebensqualität führen. Wenn ein Essen im Restaurant zur Mutprobe wird oder bei einer längeren Autofahrt Missgeschick droht, kann das sehr belastend sein. Ab einem bestimmten Schweregrad können depressive Verstimmungen und der Verlust an Vitalität nicht mehr einfach hingenommen werden.

Mit welchen Untersuchungen muss man rechnen?

Im Grunde handelt es sich um eine Ausschluss-Diagnose. Das bedeutet: Sind chronisch-entzündliche Erkrankungen des Darm-Traktes wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ausgeschlossen, die Tests auf Lebensmittelunverträglichkeiten negativ, liegen keine Lebensmittelallergien vor und es besteht auch keine Schwäche von Bauchspeicheldrüse und Galle, liegt die Diagnose Reizdarm nahe.
Das alles muss jedoch von ärztlicher Seite zunächst abgeklärt werden. Die Diagnose wird nach sorgfältiger Anamnese und körperlicher Untersuchung gestellt, dazu kann ein Blutbild veranlasst und die Entzündungswerte gemessen werden. Sinnvoll ist in jedem Fall eine ausführliche Darm-Diagnostik und Testung auf Dünndarmfehlbesiedelung. 

Ist eine Darmspiegelung erforderlich?

Vor der Diagnose sollte vom Facharzt eine Darm-Spiegelung beim Patienten durchgeführt werden. Damit können Darm-Polypen, chronisch-entzündliche Erkrankungen, Zöliakie oder Tumore als mögliche Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Erst dann kann die richtige Therapie eingeleitet werden.

Was hilft beim Reizdarm?

Die richtige Therapie und die richtige Ernährung sollten Sie am besten in Ihrer naturheilkundlichen Praxis besprechen. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von der Behandlung mit verdauungsfördernden pflanzlichen Mitteln, die gleichzeitig auch Entspannung bringen. Mittel der Wahl sind Kamille, Pfefferminze und Kümmel, als Tee oder auch in einem Öl gelöst für eine entspannende Bauchmassage. Je nach Stuhlbefund können auch Milchsäurebakterien bzw. Probiotika hilfreich sein. Pflanzliche Bitterstoffe – beispielsweise als Medikament vor den Mahlzeiten eingenommen – regen die Verdauung an und sind gleichzeitig ein wirksames Mittel gegen Blähungen. Lesen Sie zum Thema Darmgesundheit gerne weiter.

Wenn Sie von Reizdarm betroffen sind, sollten Entspannungsübungen auf Ihrer täglichen To-do-Liste stehen. Ob es Waldspaziergänge sind, Autogenes Training, Yoga, Tai-Chi oder Training im Fitnesscenter: Was für andere Menschen nettes Beiwerk sein mag, ist für Sie wesentlich. Alltagstaugliche und jederzeit anwendbare Übungen zur Aktivierung des Vagusnervs können in akuten Stresssituationen funktionieren.
Hier finden Sie viele Anregungen rund um das Thema Stress bzw. Entspannung.

Wie werde ich wieder gesund?

Einige Reizdarm-Patienten werden die Beschwerden nach und nach wieder los, andere wiederum haben sehr lange damit zu tun. Vor allem, wenn der Stress wieder zunimmt oder wenn sich zu viele Ernährungsfehler eingeschlichen haben. 
Fragen Sie sich und beobachten Sie sich ganz genau:

  • Auf welche Lebensmittel reagiere ich?
  • Welches sind meine stärksten Stresstrigger?

Je besser Sie sich selbst kennen, desto leichter ist der Umgang mit dem Reizdarmsyndrom. Oft ist es sinnvoll, ein Ernährungstagebuch zu führen. Denn schnell hat man vergessen, was man in der Zeit vor dem Auftreten der akuten Symptome gegessen hat. Häufig vertragen Reizdarm-Patienten einfache Kohlenhydrate, blähende Gemüsesorten und überreife Früchte sehr schlecht. Auch kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee und Alkohol gehören auf den Prüfstand. 
 

Wie kann ich durch die Ernährung auf das Reizdarmsyndrom einwirken?

Sie kommen nicht drumherum, es für sich selbst herauszufinden. Reizdarm hat fast so viele Gesichter wie wir Menschen. Auch die unterschiedlichen Reizdarm-Typen reagieren jeweils anders. 
Was soll ich essen? Hier einige Anregungen, die für die meisten Patienten hilfreich sein können:

  • Vorwiegend selbst hergestelltes Essen
  • Möglichst ohne Zusatzstoffe in Fertignahrung

Wenn Sie das Ernährungstagebuch geführt haben, wissen Sie recht genau, welche Lebensmittel bei Ihnen Symptome auslösen und können sie weitestgehend meiden. 
Um Ruhe in den Bauch zu bringen, können Sie mit einer Fastenkur beginnen. Danach ziehen Sie am besten für etwa sechs Wochen eine FODMAP-Diät in Erwägung. 
FODMAP bedeutet: fermentierbare Oligo-Di-Monosaccharide und Polyole.
Zu Deutsch: vergärbare Mehrfach-, Zweifach-, Einfachzucker und Zuckeralkohole. 
Das klingt zunächst kompliziert, doch wenn Sie sich damit beschäftigen, werden Sie merken, dass es wirklich einfach ist.
Sie verzichten auf bestimmte Kohlenhydrate und Zucker, die in vielen Lebensmitteln vorkommen und im Dünndarm von Reizdarm-Patienten oft nicht gut aufgenommen werden. 
Nach und nach prüfen Sie dann, welche Low-FODMAP Lebensmittel Sie gut vertragen. Damit werden Sie sich vielseitig und lecker ernähren können.

Hier einige Low-FODMAP Lebensmittel:

  • Ananas, Avocado, Erdbeeren, Heidelbeeren, Honigmelone, Kiwi, (nicht zu reife) Bananen, Papaya, Rhabarber, Mandarinen
  • Brokkoli, Chicorée, Erbsen, Fenchel, Paprika, Karotten, grüne Bohnen, Kürbis, Zucchini, Tomaten
  • Hirse, Buchweizen, Dinkel, Reis, Hafer, 
  • Feta, Hüttenkäse, Brie, Parmesan
  • Mandelmilch, Reismilch, Hafermilch
  • Geflügel, Rindfleisch, Schweinefleisch
  • Fisch
  • Kräuter

Wie soll ich essen?

  • langsam und in guter Gesellschaft
  • mehrere kleine Portionen statt wenige große
  • regelmäßig zu festen Zeiten

Die meisten Menschen mit Reizdarmsyndrom können sich eine gute Lebensqualität erschaffen. Dazu bedarf es einer ganzheitlichen Vorgehensweise, die Körper und Psyche einbezieht. Eine auf Ruhe bedachte Lebensführung scheint zwar in Zeiten immer wachsender Herausforderungen schwierig, doch werden Sie feststellen, dass Sie gerade dadurch leistungsfähiger und vitaler werden. 
 

Bärbel Tschech

Mein Traum war es schon als Schulkind, mal Biologie zu studieren, um später „irgendwas mit Natur“ machen zu können. Dieser Traum wurde Wirklichkeit: Ich studierte Biologie in Greifswald und Ulm und habe danach in der Naturheilkunde mein berufliches Zuhause gefunden. Seit 2001 bin ich Teil des medizinisch-wissenschaftlichen Teams von Pascoe Naturmedizin. Als Fachreferentin bin ich v.a. für die wissenschaftliche Produktinformation verantwortlich, wobei die Themen Homöopathie und Lymphe meine Schwerpunkte sind.

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