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Von Bärbel Tschech |

Ständig müde – was tun? Das Fatigue-Syndrom

Kurz erklärt!

Immer müde trotz Schlaf: Zunehmend mehr Menschen sind von einem Phänomen betroffen. Sie schlafen 7 oder 8 Stunden und sind trotzdem immer müde und schlapp. Wir gehen im Folgenden diesen Fragen nach: Woher kommt das bzw. welche Krankheit steckt hinter ständiger Müdigkeit? Was fehlt dem Körper bei ständiger Müdigkeit und Energie-Mangel? Was bedeutet Chronisches Fatigue Syndrom? … und vor allem: Was kann man dagegen tun?

Probleme mit dem Schlafen bis hin zu ausgeprägten Schlafstörungen kennt fast jeder von sich oder aus seinem Umfeld. Wenn man nicht ausreichend schläft, hat man eine Erklärung dafür, dass es einem an Energie fehlt und man ständig müde, schlapp, antriebslos und gereizt ist. Wenn man dagegen ausreichend schläft, ist dieses Phänomen erstmal unerklärlich und dadurch oft noch schwerer zu ertragen. In der Medizin wird dieser Zustand als Fatigue bezeichnet. Meist handelt es sich dabei um eine Begleiterscheinung bzw. Folge von Infektionen oder anderen Erkrankungen.

Wann ist man krankhaft müde? Was ist und wie zeigt sich chronische Fatigue?

Unter Fatigue versteht man einen Energie-Mangel des Körpers und einen massiv gesteigerten Bedarf an Ruhepausen, der nicht im Verhältnis steht zur aktuellen Aktivität. Dieses Phänomen und das Gefühl, krankhaft müde zu sein, kennen sicherlich viele Leser von sich. Üblicherweise vergeht es innerhalb von einigen Tagen bis Wochen.
Wenn Patienten jedoch über Monate davon betroffen sind und weitere Symptome (siehe unten) hinzukommen, dann stellen Mediziner seit einigen Jahren Diagnosen, wie chronisches Erschöpfungssyndrom, Chronisches Fatigue Syndrom bzw. Chronic Fatigue Syndrom (CFS). Der Begriff Syndrom bezeichnet dabei ein Krankheitsbild, das durch das Auftreten einer Gruppe von charakteristischen Symptomen gekennzeichnet ist. 
Beim Chronischen Fatigue Syndrom kommen zur Fatigue noch mehrere der folgenden Symptome hinzu, wobei das erste besonders typisch ist:

  • für viele Stunden nach Anstrengungen besteht starkes Unwohlsein; Sport führt zur Verschlechterung des Zustandes; um Inaktivität zu überwinden, ist große Anstrengung notwendig 
  • Schlafstörungen: Schlaflosigkeit oder vermehrte Schläfrigkeit/Schlafsucht; Schlaf ist nicht erfrischend oder erholsam
  • Schmerzen und allgemeine Schwäche, insbesondere Gelenk-, Muskel-, Kopfschmerzen
  • verringerte Konzentrationsfähigkeit, Motivationsmangel, fehlendes Interesse an üblichen Aktivitäten, Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, Schwierigkeiten mit der Bewältigung von Alltagsaufgaben
  • Grippe-ähnliche Symptome, eventuell empfindliche Lymphknoten, neue Allergien, Unverträglichkeiten, Überempfindlichkeit 

Für Menschen, die nicht selbst betroffen sind, ist es kaum vorstellbar, wie quälend diese Krankheit ist, was es für betroffene Patienten noch schwieriger macht, sie auszuhalten. 
Inzwischen weiß man, dass es sich in der starken Ausprägung um eine schwere sogenannte neuroimmunologische Multisystemerkrankung handelt, die auch als Myalgische Enzephalomyelitis (ME) bezeichnet wird. Unter einer Myalgischen Enzephalomyelitis verstehen Mediziner eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) und des Rückenmarks (Myelitis). Myalgisch bezieht sich auf Schmerzen und Schwäche der Muskulatur. Der Begriff neuroimmunologische Systemerkrankung bedeutet, dass das Nervensystem (neuro-) von einer Entzündung (immuno-) betroffen ist und das Ganze Auswirkungen auf viele Körper-Funktionen (multisystem) hat.
Aufgrund der charakteristischen Symptome (Fatigue = Müdigkeit) sprechen Mediziner in Europa meist eher vom Chronic Fatigue Syndrom bzw. Chronischen Fatigue Syndrom (CFS) oder chronischen Erschöpfungssyndrom. In Amerika hat sich der Begriff Myalgic Encephalomyelitis etabliert. Häufig liest man inzwischen auch die Kombination CFS/ME.
 

Ursachen: Was löst das Fatigue Syndrom aus?

Es gibt zwar verschiedenen plausible Ansätze, aber noch keine wirkliche Erklärung für die Ursachen dieses Chronic Fatigue Syndroms (CFS). Man weiß aber inzwischen, dass es mit einer Fehlregulation des Immunsystems, des Nervensystems und des zellulären Energiestoffwechsels (Mitochondrien) zusammenhängt, weshalb von einer neuroimmunologischen Krankheit gesprochen wird. 
Mediziner gehen davon aus, dass folgende Faktoren einen Einfluss auf die Entstehung haben können:

  • Entzündungen u.a. durch andere schwere Erkrankungen oder Infektionen 
  • Tumor-Erkrankungen bzw. deren Behandlung
  • hormonelle Veränderungen (Schilddrüsenhormone, Geschlechtshormone, Cortisol als Stress-Hormon)
  • falsche Ernährung (v.a. Vitamin-Mangel und Mangel an anderen Vitalstoffen)
  • psychische Ursachen (Stress, Angst, seelische Verstimmung, Schlaflosigkeit, Kontrollverlust)
  • Symptome wie Schmerzen und Luftnot

Meistens gibt es einen konkreten Auslöser. Solch ein Triggerfaktor kann beispielsweise eine virale oder bakterielle Infektion sein. Insbesondere das Epstein-Barr-Virus (EBV), aber auch Influenza-, bestimmte Herpes- und SARS-Coronaviren können ein CFS triggern. Ärzte sprechen in diesen Fällen von einer Infekt- bzw. Virus-bedingten Fatigue.
Ein weiterer wesentlicher Auslösefaktor für das CFS kann eine Tumorerkrankung sein. Sowohl die Krebserkrankung selbst als auch die begleitenden Faktoren, wie bestimmte Medikamente, hormonelle Veränderungen, Verfügbarkeit von Nährstoffen und die psychische Belastung können die Entstehung eines onkologisch-bedingten CFS, die so genannte Tumorerschöpfung, triggern. Etwa 30 % der Tumor-Patienten leiden noch lange nach Abschluss der Tumor-Therapie darunter. 
Entzündungen stehen nach neueren Erkenntnissen im Mittelpunkt der Krankheitsentstehung. Bei dem Begriff Entzündung denkt man immer zuerst an Rötung, Schwellung und Schmerz. Aber es gibt nicht nur die deutlich sichtbaren Entzündungen, sondern auch so genannte stille Entzündungen – von Fachleuten als Silent Inflammation bezeichnet.

Silent Inflammation – was ist das?

Entzündungen sind immer die Antwort des Organismus auf eine Gefahr. Sie werden mit der Bildung von Entzündungsbotenstoffen beantwortet, die die Ursache bekämpfen sollen. Wird eine akute Entzündung danach durch körpereigene oder medikamentöse antientzündliche Mechanismen erfolgreich eingedämmt, klingt sie ab und alles ist wieder in Ordnung. 
Aber es gibt auch viele Gefahren, die gar nicht so groß sind, dass sie spürbare Entzündungen auslösen. Sie schaden aber dadurch, dass sie über lange Zeiträume bestehen. Sie regen also das Immunsystem permanent dazu an, Entzündungsbotenstoffe in geringer Menge zu produzieren. Solche kleinen, aber langfristig bestehenden Gefahren, die kleine, also stille Entzündungen auslösen, sind beispielsweise Schwermetalle, fehlende Darm-Gesundheit, starke Fettleibigkeit, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Lärm-Belastung, ungelöste seelische Konflikte … kurz: alle dauerhaften physischen und psychischen Überlastungen. 
Auch diese eher unterschwelligen Reize stimulieren Entzündungsbotenstoffe, die Stress im Körper verursachen. Stress triggert über verschiedene Mechanismen das Entzündungsgeschehen weiter – u.a. durch die Entstehung von oxidativem Stress. Damit ist ein Teufelskreis entstanden und diese stillen Entzündungen können chronische Erkrankungen verursachen – auch ein Chronic Fatigue Syndrom. 
 

Woher kommt die extreme Müdigkeit nach Corona?

Seit der Corona-Pandemie und den möglichen Langzeitfolgen, die als Long-COVID-Syndrom bzw. Post-COVID-Syndrom bekannt sind, ist das Thema chronisches Erschöpfungssyndrom in das Bewusstsein vieler Menschen gerückt. Viele Betroffene, die vielleicht sogar nur leichte Corona-Symptome hatten, leiden dann im Anschluss teilweise monatelang unter Long-COVID-Symptomen, zu denen das postvirale chronische Erschöpfungssyndrom gehören kann. Das bedeutet: Sie fühlen sich ständig müde und schlapp, leiden unter schwerer Erschöpfung, Schwäche, Abgeschlagenheit, Lust- und Antriebslosigkeit. 
Der Auslöser war in diesen Fällen die Corona-Virus-Infektion und daraus hat sich eine postvirale Fatigue entwickelt und diese kann in ein CFS übergehen. 
Schon vor der Pandemie ist beobachtet worden, dass nicht selten mit dem Krankheitsbeginn eines postviralen Erschöpfungssyndroms eine Phase körperlicher oder psychischer Überanstrengung einhergegangen ist. Die Pandemie ist für viele Menschen mit großen psychischen Belastungen einhergegangen. Möglicherweise ist genau das in Kombination mit dem Virus einer der Gründe, warum die postvirale Fatigue in Zusammenhang mit COVID-19 so verbreitet ist.
 

Was haben Rheuma, MS und Gelenkschmerzen mit chronischer Müdigkeit und Erschöpfung zu tun?

Die Entstehung eines chronischen Erschöpfungssyndroms hängt u.a. mit einer Fehlregulation des Immunsystems zusammen. So ist nachvollziehbar, dass es eine häufige Begleiterscheinung, also ein typisches Symptom bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen ist. Bei diesen ist das Immunsystem in seiner Funktion gestört und bildet Abwehrzellen gegen körpereigene Zellen und Gewebe. Es löst also ständig Entzündungen aus. Die Rheumatoide Arthritis ist, genauso wie die Multiple Sklerose (MS) und die Hashimoto-Thyreoiditis, so eine entzündliche Autoimmunerkrankung. Das erklärt, warum MS- und Rheuma-Patienten häufig auch unter bleierner Müdigkeit und Erschöpfung leiden. 

Welches Vitamin fehlt bei Müdigkeit?

Wussten Sie, dass chronische Müdigkeit ein typisches Mangel-Symptom von verschiedenen Vitaminen oder anderen Vital- und Mineralstoffen sein kann?
Hier ein Beispiel:
Müdigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen gehören zu den typischen unspezifischen Symptomen bei B-Vitamine-Mangel. Insbesondere der Mangel an den Vitaminen B6, Folsäure und B12 kann für Müdigkeit und Erschöpfung verantwortlich sein.
 

Check-up: Warum bin ich immer so müde?

Müdigkeit ist ein Symptom vieler verschiedener Erkrankungen oder Mangelerscheinungen. Bitte klären Sie die Ursachen unbedingt in Ihrer Praxis ab. Der nachfolgende Fragebogen kann Ihnen wichtige Hinweise geben:

Fatigue Test

Was hilft auf die Schnelle gegen Müdigkeit? Was hilft langfristig?

Wie Sie erfahren haben, gibt es verschiedene Gründe für Müdigkeit. Wenn es sich nicht um eine schwere Erkrankung handelt, sondern nur um einen vorübergehenden Zustand, können die folgenden Tipps hilfreich sein. Beachten Sie aber: Menschen reagieren unterschiedlich. Was Ihnen wirklich und schnell hilft, müssen Sie selbst herausfinden.

Tipps: 

  • Werden Sie aktiv! - raus an die frische Luft, viel Bewegung.
  • Nutzen Sie die erfrischenden Effekte von Kälte! Wenn Ihnen warm genug ist: unter die kühle Dusche oder eine Wechsel-Fußbad – zum Abschluss ins kalte Wasser!
  • Trinken Sie viel! – wählen Sie dabei, was Ihnen guttut: kühles Wasser, Fruchtsäfte, Pfefferminz-Tee. Manch einen bringt natürlich auch eine Tasse Kaffee schnell wieder auf die Beine – insbesondere dann, wenn niedriger Blutdruck die Ursache ist.

Langfristig können auch die folgenden Maßnahmen helfen:

  • Treiben Sie regelmäßig Sport – am besten an der frischen Luft.
  • Nehmen Sie ausreichend viele Vitamine zu sich! – insbesondere Vitamin C, Vitamin D und B-Vitamine. Am besten in Form von frischem Obst oder auch Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Achten Sie auf ausreichend Schlaf, aber auch nicht zu viel! Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus! Möglicherweise kann Sie das Schlafhormon Melatonin dabei unterstützen.
     

Gibt es Hausmittel gegen körperliche Erschöpfung?

Oft ist die Erschöpfung ein Signal Ihres Körpers, dass Sie etwas ändern müssen, sich Zeit für sich und Ihre wirklichen Bedürfnisse nehmen müssen. Dann hören Sie auch auf diese Körper-Signale und sorgen Sie für sich! Tipps und Informationen rund um das Thema Stress und Entspannung finden Sie in unseren Anwendungsbereichen.

Tipps gegen Erschöpfung:

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihrem Körper alle notwendigen Vitalstoffe zur Verfügung stehen: Ernähren Sie sich vollwertig und ergänzen je nach Bedarf mit Nahrungsergänzungsmitteln – am besten nach Absprache mit Ihrer naturheilkundlichen oder ernährungstherapeutischen Praxis. Kümmern Sie sich auch um eine ausgeglichene, basenreiche Ernährung und trinken Sie viel.
  • Wenn der Zustand schon lange anhält und Sie unter einem Chronic Fatigue Syndrom (CFS) leiden, ist es oft sogar wichtig, dass Sie sich zwingen, aktiv zu sein. Ansonsten droht möglicherweise eine Verschlimmerung. Deshalb: Besprechen Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Psychotherapeutin/en, was für Sie richtig und wichtig ist. Lernen Sie, mit Ihren Kräften zu haushalten: Fordern Sie sich, ohne sich zu überfordern. Informieren Sie sich auch im Internet bei der Deutschen Fatigue-Gesellschaft.
  • Sorgen Sie für einen festen Tagesablauf und integrieren Sie auf jeden Fall einen Spaziergang an der frischen Luft, wenn es irgendwie geht. Laufen oder Radeln Sie so viel, wie es Ihnen möglich ist und guttut – am besten in der Sonne.
  • Lassen Sie sich in Ihrer naturheilkundlichen Praxis beraten, welche Vitamine, Mineralstoffe und andere naturheilkundliche Mittel sinnvoll für Sie sein könnten.
  • Lassen Sie sich auch zu pflanzlichen Arzneimitteln bzw. homöopathischen Mitteln beraten, die bei Energie-Mangel, Stress, Schlaf-Störungen, Burnout, seelische Verstimmung Unterstützung bieten können. 
     

Quellenangaben

Bücher

  • 1 Scheibenbogen, C. et al: Chronisches Fatigue-Syndrom. Heutige Vorstellung zur Pathogenese, Diagnostik und Therapie, tägl. prax. 55, 567–574, Hans Marseille Verlag GmbH München 2014*

Weblinks

*: Bei Literatur: Erscheinungsjahr; bei Webseiten: Datum des letzten Abrufs

Bärbel Tschech

Mein Traum war es schon als Schulkind, mal Biologie zu studieren, um später „irgendwas mit Natur“ machen zu können. Dieser Traum wurde Wirklichkeit: Ich studierte Biologie in Greifswald und Ulm und habe danach in der Naturheilkunde mein berufliches Zuhause gefunden. Seit 2001 bin ich Teil des medizinisch-wissenschaftlichen Teams von Pascoe Naturmedizin. Als Fachreferentin bin ich v.a. für die wissenschaftliche Produktinformation verantwortlich, wobei die Themen Homöopathie und Lymphe meine Schwerpunkte sind.

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