Von Bärbel Tschech

Naturmedizinischer Wirkstoff Virginische Zaubernuss

Hamamelis virginiana

Familie: Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae)

Die Zaubernuss ist bei uns als Zierstrauch bekannt und beliebt. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem atlantischen Nordamerika. Hamamelis virginiana ist eine wichtige Gerbstoffdroge, die vor allem in Cremes zur Wundheilung Einsatz findet. Homöopathisch aufbereitet, ist sie auch in vielen Venenmitteln zu finden.

Wie sieht die Zaubernuss aus und wo findet man Sie?

Hamamelis virginiana wächst als Strauch oder kleiner Baum und wird bis zu 7 Meter hoch. Blätter und Wuchsform sind den heimischen Haselnuss-Sträuchern ähnlich. In unseren Breiten sind die verschiedenen Hamamelis-Arten als Ziersträucher sehr beliebt, weil die kleinen gelben Blüten im Herbst nach dem Blattabfall oder im zeitigen Frühjahr erscheinen. Dieses zarte Gelb inmitten des tristen Graus „zaubert“ vielen Gartenliebhabern ein Lächeln ins Gesicht. Die eigentliche Heilpflanze ist die mit dem botanischen Namen Hamamelis virginiana, die Herbstblühende Zaubernuss bzw. Virginische Zaubernuss. Die in unseren Gärten besonders beliebten, weil im sehr zeitigen Frühjahr blühenden Sorten, gehören meist zu einer anderen Art, nämlich Hamamelis vernalis. Vernalis kommt aus dem Lateinischen und steht für „Frühlings-“.

Ursprünglich beheimatet ist Hamamelis virginiana im südöstlichen Nordamerika, wie ihr Name virginiana bereits vermuten lässt. Nach Europa gelangte die Zaubernuss im 18. Jahrhundert als Zierstrauch. Genau genommen war der englische Stoffhändler und Hobby-Botaniker Peter Collinson, der Erste, der die Pflanze 1736 nach Europa brachte und zunächst in seinem Park kultivierte. Später stellte er sie dem berühmten Carl von Linné vor. Dieser gab der Pflanze dann ihren wissenschaftlichen Namen Hamamelis virginiana L., wobei das „L.“ für Linné steht – so wie in vielen lateinischen Pflanzennamen.

Was bedeuten die Namen?

Der Name Zaubernuss bezieht sich wohl auf das gleiche Phänomen wie der Name Hamamelis. Hamamelis wird abgeleitet von den griechischen Wörtern hama für gleichzeitig und melon für Apfel oder Frucht. Das soll ausdrücken, dass – anders als üblich – Früchte und Blätter fast gleichzeitig wachsen, also die Früchte vor der Blüte im jeweiligen Jahr reifen. Das mag dem Namensgeber als ein Zauber der Natur erschienen sein. Botanisch gesehen gibt es jedoch eine Erklärung für diesen Zauber. Es liegt einfach daran, dass die Früchte nach der Blüte im Herbst sehr langsam reifen. Erst im Sommer des folgenden Jahres - also kurz vor der nächsten Blüte – sind die Haselnuss-ähnlichen Früchte dann reif. Die Früchte platzen plötzlich und mit einem ganz typischen Knacken, wie kleine Zaubernüsse auf und schleudern so ihre Samen bis zu 10 Meter weit in die Umgebung. Deshalb kann man oft rund um den eigentlichen Strauch viele kleine Zaubernuss-Pflanzen finden.

Hamamelis als Heilpflanze

Nordamerikanische Indianer nutzten die Hamamelis in vielfältiger Weise – sowohl innerlich als auch äußerlich. Dabei kam v.a. die Rinde zum Einsatz, die zusammen mit Zweigen und Blättern zerquetscht und meist in Form von Auflagepackungen auf Wunden angewandt wurde. Aber auch Spülungen bzw. Waschungen für Entzündungen von Haut und Schleimhäuten wurden mit Hamamelis virginiana hergestellt. Sie wurden bei Hämorrhoiden, Mandelentzündung, Magenschleimhautentzündungen und vielen anderen inneren und äußerlichen Wunden und Entzündungen verwendet.

Ähnlich den Haselruten in Europa dienten die Hamamelis-Zweige den Indianern u.a. auch als Wünschelruten.

Noch immer spielt Hamamelis v.a. als Haut- und Wundheilmittel eine große Rolle. Nicht nur in Nordamerika gilt das angenehm duftende Destillat aus den frischen Blättern und Zweigen auch heute noch als wichtiges Heilmittel. Man kann das Hamameliswasser als „Hazeline“ oder „Which hazel“ überall kaufen und es wird beispielsweise kosmetisch und als Rasierwasser verwendet.

Die ätherischen Öle sind es, die die Wirkung des Destillates, also des Hamameliswassers ausmachen. Sie sind sowohl in den Wurzeln als auch in den Blättern mit bis zu 0,5 % enthalten.

Entscheidend für die hervorragende Eignung zur Wundbehandlung ist jedoch der hohe Gerbstoffgehalt der Heilpflanze. Er findet sich in allen verwendeten Pflanzenteilen – insbesondere in den Blättern und der Rinde. Dieser wird bei der Bereitung von Hamameliswasser jedoch gar nicht aus der Pflanze extrahiert, sondern ist nur in den wässrigen bzw. alkoholischen Auszügen enthalten.

Gerbstoffe bewirken eine zusammenziehende, Fachleute sprechen von einer adstringierenden Wirkung. In der Hamamelis virginiana liegen sie vor allem als Tannine und OPC (oligomere Proanthocyanidine) vor.

Sowohl die Gerbstoffe als auch die ätherischen Öle tragen zum gesamten breiten Wirkspektrum bei. Die Zubereitungen aus der Virginischen Zaubernuss wirken insgesamt nicht nur adstringierend, sondern auch entzündungshemmend, antioxidativ, juckreizlindernd, blutungsstillend, venentonisierend, antibakteriell und antiviral.

Wichtig ist aber zu beachten, dass nicht alle Zubereitungen das ganze Spektrum aufweisen. Da die Wirkstoffe auf unterschiedliche Weise extrahiert werden müssen, gibt es verschiedene Zubereitungsformen. Nur die wässrigen bzw. alkoholischen Auszüge sind sehr gerbstoffreich.

Die Wasserdampf-Destillate sind dagegen reich an den ätherischen Ölen. Eine abwechselnde Anwendung der beiden Darreichungsformen hat sich besonders gut bewährt, um die ganze Breite zu gewährleisten.

Wissenschaftlich anerkannt ist die Wirkung der Extrakte aus Hamamelis bei:

  • leichten Hautverletzungen
  • lokalen Entzündungen (Haut- und Schleimhaut)
  • Hämorrhoiden
  • Krampfaderbeschwerden

Daher findet man den Wirkstoff als pflanzliches Arzneimittel in Hämorrhoidensalben, Wundcremes, aber auch in Kosmetika, Gesichtswässern, zur Dammschnitt-Pflege und in homöopathischen Venenmitteln.

Homöopathische Anwendung von Virginische Zaubernuss

die Heilende unterstützt bei:

  • Blutungen
  • Verletzungen
  • Krampfaderleiden
  • Hämorrhoiden

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.