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Naturmedizinischer Wirkstoff Herbstzeitlose

Colchicum autumnale

Familie: Zeitlosengewächse (Colchicaceae)

Manch einer mag sich über die Krokusse auf den Wiesen im Herbst wundern. Dann ist Vorsicht geboten, denn es handelt sich um eine sehr giftige Pflanze. Aber die herbstlichen Blüten sind schön anzuschauen und richtig angewandt sind sie auch wirksam bei Gicht und anderen rheumatischen Erkrankungen.

Wann und wo blühen Herbstzeitlose?

Während sich die Natur langsam zurückzieht und auf den Winter vorbereitet, hat die Herbst-Zeitlose einen gegenläufigen Rhythmus: Aus den tief in der Erde liegenden Wurzelknollen wachsen im Herbst die rosa-violetten, krokusähnlichen Blüten. Man findet sie zwischen Mittelmeer und Süddeutschland, im Norden sehr selten. Häufig ist sie im Allgäu auf feuchten Wiesen und Weiden zu finden.

Was ist giftig und für wen?

Im Frühjahr, wenn der sehr ähnliche Krokus blüht, bilden sich die Samen der Herbst-Zeitlosen (lat.: Colchicum autumnale) und sie treibt ihre Blätter aus. Diese ähneln Bärlauch-Blättern, sind im Gegensatz zu denen aber sehr giftig. Alle Pflanzen-Teile sind giftig. Der Gehalt ist am höchsten in den Samen und der Knolle, aber auch Blüten und Blätter haben einen hohen Giftgehalt. Bereits 5 g der Samen gelten als tödliche Dosis für einen Erwachsenen.
Der Hauptwirkstoff ist das giftige Alkaloid Colchicin. Mit der Reife nimmt der Alkaloidgehalt und damit die Giftigkeit zu. Mit zunehmender Höhenlage des Standortes allerdings nimmt der Gehalt ab. Colchicin ist ein starkes Zellgift. Es wird zu Forschungszwecken eingesetzt: Bekannt ist es hier vor allem als so genannter Mitosehemmer. Das bedeutet, dass man mit dem Gift den Vorgang der Zellteilung stoppen kann. In der Pflanzenzüchtung wird das Alkaloid verwendet, um Mutationen auszulösen.
Besonders für Pferd und Schwein kann Colchicum gefährlich werden. Auch für Rinder ist die Pflanze giftig, aber die meiden sie zum Glück meistens. Ziegen und Schafe dagegen fressen die Blätter, aber ihnen macht das Gift weniger aus. Allerdings geht es in ihre Milch über und kann dadurch unter Umständen sogar für uns gefährlich werden. Problematisch ist, dass die Giftwirkung beim Trocknen erhalten bleibt und deshalb auch das Heu für die Tiere giftig ist. Als tödliche Dosis bei Rindern gelten 1500 bis 2500 g frische Blätter mit den grünen Kapseln bzw. 2000 bis 2500 g getrocknete Pflanzen.  Erste Symptome treten nach 2 bis 6 Stunden auf. Bei leichten Vergiftungen kommt es zu Benommenheit, Brennen im Mund, Übelkeit, Erbrechen und blutigen Durchfällen. Rinder verweigern zunächst die Nahrungsaufnahme und stellen das Widerkäuen ein. Bei schweren Vergiftungen kommt es zum Tod durch Atemlähmung.

Was bedeutet der Name Colchicum?

Während sich der deutsche Name Herbstzeitlose auf den ungewöhnlichen, „zeitlosen“ Blüh-Rhythmus bezieht, wird der lateinische Name Colchicum von Kolchis abgeleitet. Das ist die Landschaft am Ostufer des Schwarzen Meeres, wo ursprünglich wohl die meisten Herbstzeitlosen wuchsen. Gleichzeitig ist das aber auch der Ort, wo Medea, eine der mächtigsten Zauberpriesterinnen, Zauberinnen und Giftmischerinnen der griechischen Mythologie, zu Hause war.

Allein die Dosis macht das Gift

Paracelsus‘ Erkenntnis trifft auf die meisten Heilpflanzen zu. Ganz besonders aber auf die giftige Herbstzeitlose. Während der wichtigste Wirkstoff, das giftige Colchicin zu Recht gefürchtet ist, wurde schon in der Antike die Heilkraft der Herbstzeitlosen gepriesen - insbesondere bei Rheuma und Entzündungen. Noch heute gilt das Alkaloid Colchicin als effektivstes Mittel bei einem akuten Gichtanfall und kommt auch bei Hauterkrankungen zum Einsatz.
Die Homöopathie verwendet die Herbstzeitlose in sicheren Dosen. Das heißt: Hier dient sie als Reiz für den Körper. Vergiftungen sind ausgeschlossen, wenn Colchicum-haltige Arzneimittel in der angegebenen Dosierung eingenommen werden.

Homöopathische Anwendung von Herbstzeitlose

die Wärmende unterstützt bei:

  • Rheuma, Gicht
  • reißenden Schmerzen, Gelenkschmerz
  • Störungen des Harnsäurestoffwechsels
  • Erschöpfung, innerer Kälte
  • Nierenfunktionsstörungen

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zur Herbstzeitlosen in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.