Selen

Inhaltsstoff Selen

Selen (griech. Selene "Mond") ist ein essentielles Spurenelement, das wir über die Nahrung aufnehmen. Allerdings variiert der Selengehalt je nach Region und Nahrungsmittel. Selen ist wichtig für eine normale Spermabildung, für den Erhalt normaler Haare und Nägel, für die normale Funktion von Schilddrüse und Immunsystem und es schützt unsere Zellen vor oxidativem Stress. Lange Zeit dachte man, es sei toxisch für den menschlichen Körper. Inzwischen weiß man, dass das nur hohe Dosen betrifft. In der richtigen Dosis ist Selen lebenswichtig.

Im Folgenden klären wir:

Was ist Selen überhaupt, wofür brauchen wir es, welche Menge ist die richtige für unseren Körper, wie beugen wir einer Unterversorgung und einer Überdosierung vor und was ist der Unterschied zwischen organischem und anorganischem Selen?

Was ist Selen?

Das Mineral Selen ist ein chemisches Element aus der 6. Hauptgruppe des Periodensystems. Es gilt als Halbmetall. Der Name leitet sich vom griechischen Wort für Mond, "Selene", ab.

Es ist ein essentielles Spurenelement für alle Lebewesen. Das bedeutet: Alle Lebewesen brauchen diesen Stoff zum Leben. Es ist an zahlreichen Funktionen beteiligt. Unter Anderem ist es in Enzymen enthalten, die für die Schilddrüse wichtig sind. Es spielt auch eine große Rolle im Immunsystem. Es hat einen großen Effekt auf den Schutz der Zellen vor oxidativem Stress. Als Spurenelement muss es dem Körper von außen zugeführt werden. In geringen "Spuren" ist es essentiell, in zu großen Mengen kann es jedoch schädlich sein. Bei einem Mangel sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Entdeckt wurde das Spurenelement von Jöns Jakob Berzelius 1817 im Bleikammerschlamm einer Schwefelsäuren-Fabrik. Er dachte erst, es würde sich um Tellur (lat. tellus, "Erde") handeln. Nach einigen weiteren Experimenten fand er jedoch heraus, dass er einen neuen Stoff entdeckt hatte. Den Namen wählte er aus zwei Gründen: Er wollte das Element von Tellur abgrenzen. Gleichzeitig wollte er die Ähnlichkeit der beiden Stoffe hervorheben.

Die Wirkung auf den Körper von Mensch und Tier wurde erst in den letzten Jahrzehnten herausgefunden. Bis in die 1970er Jahre dachte man, die Wirkung sei für unseren Körper toxisch.

Selen-Modifikationen haben verschiedene Formen. Die stabilste Form ist die graue, "metallische" Modifikation. Es gibt auch noch die schwarze amorphe und die rote Form. Elementares Selen wird durch die elektrolytische Kupfer- und Nickelherstellung als Nebenprodukt produziert. Elementares Selen wird z.B. in der Glasindustrie oder der Fotografie eingesetzt. Es wird aber auch noch in vielen weiteren Bereichen benötigt. Für unseren Körper sind die anorganischen und organische Selenverbindungen lebenswichtig. Diese werden über die Nahrung aufgenommen.

Wofür brauchen wir Selen?

Als lebenswichtiges Spurenelement ist es ein wichtiger Bestandteil von Enzymen. Es ist an verschiedenen Prozessen im Körper beteiligt. Mit seiner Wirkung betrifft es verschiedene Bereiche:

Das Spurenelement wirkt antioxidativ. Dadurch kann es freie Radikale abfangen. So trägt es dazu bei, unsere Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Oxidativer Stress schadet den Zellmembranen. Auch andere antioxidative körpereigene und zugeführte Stoffe verringern oxidativen Stress. Zu diesen zählen beispielsweise Vitamine wie Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin A. Sie binden freie Radikale und halten sie so davon ab, den Zellen zu schaden.

Selen ist auch Bestandteil des Enzym Glutathion-Peroxidase. Ist die Aktivität dieses Enzyms z.B. durch einen Selenmangel eingeschränkt, kann dies zu Symptomen wie Herz-Kreislauferkrankungen führen.

Das Halbmetall ist auch wichtig für die Schilddrüse. Es ist notwendig für die Produktion der Schilddrüsenhormone. Es sorgt dafür, dass das Prohormon Thyroxin (T4) zu Triiodthyronin (T3) aktiviert wird. T3 gehört zu den zwei wichtigen Hormonen der Schilddrüse. So trägt das Halbmetall zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei.

Als Bestandteil von vielen verschiedenen Proteinen trägt das Spurenelement Selen auch zu einer normalen Funktion des Immunsystems, dem Erhalt von Haaren und Nägeln, sowie einer normalen Spermabildung bei.

Was passiert bei einem Selenmangel?

Bei einem Selen-Mangel oder einer Selen-Unterversorgung sollte stets ärztlicher Rat eingeholt werden.

Ein Selenmangel kann verschiedene Ursachen haben. Dabei ist eine Unterversorgung in Europa durch die Nahrung heute eher selten. Grund für einen ausgeprägten Selenmangel ist meistens eine Erkrankung, die:

  • die Selenverwertung einschränkt oder
  • die einen großen Selenverlust zur Folge hat.

Zu diesen zählen z.B. chronisch entzündliche Darmkrankheiten, Mukoviszidose, Niereninsuffizienz und chronische Dialyse. Es gibt auch andere Ursachen für einen Selenmangel: Mutationen in den Genen können den Selenstoffwechsel und damit die Selenproteinsynthese stören. Durch diese Mutationen kann dann auch ein Mangel entstehen.

Selenmangel führt zu Symptomen, wie einer Beeinträchtigung des Immunsystems, der Muskelfunktion sowie der Spermienbildung. Ein Mangel kann also schwerwiegende Folgen haben.

In den 70er Jahren wurden in China einige der Selenmangel-Krankheiten entdeckt. China zählt zu den Regionen mit selenarmen Böden. Deshalb konnten hier viele Erkrankungen beobachtet werden.

Dazu gehören die Kashin-Beck-Krankheit und die Keshan-Krankheit. Zu den Symptomen der Keshan-Krankheit zählt die Erkrankung des Herzmuskels. Bei der Kashin-Beck-Krankheit verändern sich die Gelenke und es tritt ein verringertes Knochenwachstum auf. Es gibt noch weitere Krankheiten, die durch einen Selenmangel ausgelöst werden können. Diese treten auch bei Tieren auf, da auch diese von Selenmangel betroffen sein können.

Wie ist die Selenversorgung in Deutschland?

Es gibt keine aktuelle Datenlage zur Selenversorgung in Deutschland. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit schätzt anhand des Selengehalts in Lebensmitteln die Selenzufuhr. Sie kommt auf 17-36 µg/Tag bei Kindern und 31-66 µg/Tag bei Erwachsenen. Menschen, welche eine hohe tägliche Lebensmittelzufuhr haben, haben dadurch automatisch auch eine höhere Selenzufuhr. Durch eine ausgewogene Ernährung wird meistens ausreichend Selen zugeführt. Eine vegane oder vegetarische Ernährung kann dazu führen, dass eine Selenunterversorgung eintritt: In Europa gelten tierische Lebensmittel als die zuverlässigste Selen-Quelle.

Welche Personen neigen zu einer Selenunterversorgung?

Eine Unterversorgung tritt in Deutschland bei Krankheiten auf, die die Selenverwertung beeinträchtigen oder für einen vermehrten Selenverlust sorgen.

Dem Risiko einer Selenunterversorgung durch eine zu geringe Zufuhr sind Menschen in ländlichen Regionen mit geringem Selengehalt im Boden ausgesetzt bzw. Personen, die sich einseitig (streng vegetarisch bzw. vegan) ernähren.

Die Böden in Deutschland, wie auch in Schottland, Dänemark und Finnland sind selenarm. Bei einer ausschließlich regionalen, vegetarischen Ernährung in selenarmen Regionen kann es zu einer Selenunterversorgung kommen. Deshalb kommen teilweise Selen-Dünger auf den Feldern zum Einsatz. So wird der Selengehalt der pflanzlichen Lebensmittel erhöht. Bei der Verarbeitung von tierischen Produkten wird teilweise Selen zugesetzt. Auch in anderen Regionen der Welt, wie z.B. in China, ist der Boden selenarm.

In welchen Lebensmitteln kommt der Mineralstoff Selen natürlich vor?

Alle Lebensmittel enthalten Selen, jedoch in unterschiedlichen Mengen. Vor allem tierische Nahrungsmittel wie Fisch, Schweinefleisch, Eier und Hühnerfleisch haben einen hohen Selen-Gehalt. Die Paranuss ist das Lebensmittel mit dem größten natürlichen Selengehalt. Die Selenwerte in pflanzlichen Lebensmitteln schwanken stark durch den unterschiedlichen Selengehalt im Boden. So ist in pflanzlichen Nahrungsmitteln in der USA der Selengehalt hoch, während er in Deutschland eher niedrig ist. Die Selenwerte in tierischen Produkten schwanken nicht so sehr, da bei diesen Selenverbindungen hinzugefügt werden dürfen.

Bei einer vegetarischen Ernährung sollte deshalb darauf geachtet werden, dass Lebensmittel mit einem hohen Selengehalt, wie z.B. Pilze oder Paranüsse konsumiert werden.

LebensmittelPortionsgröße in gSelengehalt pro Portion in µg
Roggenvollkornbrot1001,4
Emmentaler60 (2 Scheiben)4,1
Ei60 (1 Stk.)10,8
Makrele15035,4
Reis25010,5
Champignons2507,8
Linsen12054,6
Geflügelfleisch15019,1
Paranüsse25 (6 Stk.)63,5
Gouda60 (2 Scheiben)5,8
Bismarckhering15047,6
Kartoffeln2501,2
Banane100 (1 Stk.)1,7
Joghurt1501,7
Weißkohl1501,8

Tabelle: Selengehalt pro Portion nach DGE

Wie viel Selen brauchen wir?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Jugendliche und Erwachsene eine tägliche Selenzufuhr von 60 - 70 µg. Während der Stillzeit wird eine Erhöhung um 15 µg empfohlen.

Tabelle: Tagesbedarf an Selen in µg

AlterTagesbedarf an Selen in µg m/w
Babys 
0 bis unter 4 Monate10
4 bis unter 12 Monate15
Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren 
1 bis unter 4 Jahre15
4 bis unter 7 Jahre20
7 bis unter 10 Jahre30
10 bis unter 13 Jahre45
13 bis unter 15 Jahre60
Erwachsene 
Jugendliche ab 15 und Erwachsene60-70
Schwangere60
Stillende75

Für Erwachsene ist laut EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) eine tägliche Selenzufuhr von bis zu 300 Mikrogramm Selen problemlos tolerierbar. Kinder und Jugendliche können, je nach Körpergewicht, zwischen 60 und 200 Mikrogramm Selen ohne Risiko für negative Auswirkungen zuführen.

Eine deutlich zu hohe Selen-Zufuhr ist allerdings schädlich. Sie kann zu einer so genannten Selenose führen. Werden mehrere Gramm Selen auf einmal eingenommen, kann es zu einer akuten Selenvergiftung kommen.

Die Nebenwirkungen von zu hohen Dosen reichen von Müdigkeit, Übelkeit und Durchfall bis hin zu langfristigen Auswirkungen einer Selenüberdosierung wie Gelenkschmerzen, Haarverlust und gestörter Nagelbildung.

Nahrungsergänzungsmittel enthalten bis zu 200 µg Selen pro täglicher Dosis. Werden sie wie empfohlen eingenommen, ist eine Überdosierung unwahrscheinlich.

Eine angemessene Zufuhr über die Nahrung ist meistens gegeben. Daher ist eine dauerhafte Supplementierung über Nahrungsergänzungsmittel meist nicht notwendig. Vegetarier und Veganer sollten allerdings sehr auf eine ausreichende Selenversorgung achten.

Wie unterscheiden sich organisches und anorganisches Selen?

Anorganische Selenverbindungen lassen sich vor allem in der unbelebten Natur oder in industriellen Prozessen finden. Organische Selenverbindungen kommen in der belebten Natur vor. In diesen organischen Verbindungen liegt das Mineral meist als Selenomethionin vor.

Will man Nahrungsmittel mit Selen anreichern oder Nahrungsergänzungsmittel herstellen, werden dafür meist organische Selenverbindungen erzeugt. Dafür wird ein selenreiches Nährmedium mit bestimmten Brauhefen (Saccharomyces cerevisiae) besiedelt. Die Brauhefen vermehren sich und synthetisieren dabei Selenomethionin als Aminosäure. Nahrungsergänzungsmittel aus organischem Selen werden deshalb manchmal auch als Selenhefe bezeichnet.

Je nachdem, um welche Verbindung es sich handelt, kann sich die Aufnahmefähigkeit durch den Magen-Darmtrakt verändern. Der Anteil eines Wirkstoffes, der vom Magen-Darm-Trakt ins Blut aufgenommen werden kann und damit dem Körper zur Verfügung steht, wird als Bioverfügbarkeit bezeichnet.

Das anorganische Natriumselenit hat eine ähnliche Bioverfügbarkeit wie organische Selenverbindungen. Allerdings können andere Nahrungsbestandteile, wie beispielsweise Vitamin C das Natriumselenit zu elementarem Selen reduzieren. Dieses kann nicht vom Körper aufgenommen werden. Daher sollten die beiden Stoffe zeitversetzt voneinander eingenommen werden. Aus diesem Grund eignen sich organische Selenverbindungen besser für Nahrungsergänzungsmittel als anorganische.

Was macht Selen in unserem Körper?

Selen hat viele Funktionen im menschlichen Organismus.

Es trägt bei zu:

  • einer normalen Spermabildung
  • normalen Haaren und Nägeln
  • einer normalen Funktion des Immunsystems
  • einer normalen Schilddrüsenfunktion
  • einem Schutz der Zellen vor oxidativem Stress
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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.

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