Naturmedizinischer Wirkstoff Mistel

Mistel
Wissenschaftlicher Name:
Viscum album
Familie:Mistelgewächse

Kurz erklärt!

Es handelt sich um ganz besondere Pflanzen: Als Halbschmarotzer wachsen sie auf Bäumen. Ihre eigenwillige Wuchsform und Lebensweise waren Anlass für vielfältige mystische Deutungen. Sie galt und gilt auch heute noch als Glücksbringer und war Symbol für das Leben und gleichzeitig für den Tod. Heute spielt die Misteltherapie in der naturheilkundlichen Medizin eine zunehmend große Rolle.

1.    Was sind Misteln?

Erst im Winter, wenn sich das Grün aus der Natur zurückgezogen hat, nehmen wir sie so richtig wahr: die großen, grünen, vogelnestartigen Kugeln in den Zweigen verschiedener Bäume. Die Mistel ist ein immergrüner, annähernd kugelförmiger Baumbewohner, der bis etwa 1 Meter Durchmesser groß werden kann. Er lebt v.a. auf Bäumen wie Pappeln, Linden, Apfelbäumen und Robinien, aber auch auf Tannen und Kiefern. 
   
Misteln haben ledrige, lanzettliche Blätter und unscheinbare gelblichgrüne Blüten, die zwischen März und Mai erscheinen. Die klebrigen, weißen Beeren reifen im Spätherbst. 

Der wissenschaftliche Name ist Viscum album. Album bedeutet weiß und bezieht sich auf die weißen, beerenartigen Früchte. Es gibt drei Unterarten dieser Weißbeerigen Mistel, die sich im Wesentlichen durch die Art ihrer Wirtspflanzen unterscheiden: Laubholz-Mistel (Viscum album ssp. platyspermum), Tannen-Mistel (Viscum album ssp. abientis) und Kiefernmistel bzw. Föhren-Mistel (Viscum album ssp. laxum).

2.    Welche Bedeutung haben die Namen?

Der deutsche Name geht wohl tatsächlich auf den „Mist“ zurück. Er bezieht sich – wie auch viele der anderen Bezeichnungen - auf die Fortpflanzungsstrategie dieser besonderen Pflanzen. Die weißen Beeren werden gern von Vögeln gefressen. Das gab sogar der Misteldrossel ihren Namen. Die Samen in den Beeren sind mit einer Schleimschicht (Schleim = Viscum) überzogen. Dadurch bleiben sie auf der Baumrinde haften, wenn die Vögel sie nach dem Verzehr der Beeren mit ihrem Kot wieder ausscheiden. So kann daraus eine neue Mistelkugel wachsen. Leider ist diese Verbreitungsstrategie schon vielen Singvögeln zum Verhängnis geworden, denn Vogelfänger stellen für ihren ökologisch und ethisch sehr bedenklichen „Sport“ aus der schleimigen Substanz der Früchte einen Vogelleim zum Einfangen der Vögel her. Dieser „visköse“ Leim („Viscum“) ist Namensgeber für die lateinische Bezeichnung Viscum album. In manchen Gegenden werden die Kugeln auch als Hexennest, Drudenfuss, Leim-, oder Vogelmistel bezeichnet.

3.    Was bedeutet Halbschmarotzer?

Die Biologie spricht bei Viscum album von einem Halbschmarotzer. So, wie in unserem Sprachgebrauch üblich, werden auch in der Botanik solche Pflanzen als Schmarotzer bezeichnet, die auf Kosten anderer Pflanzen leben. Man unterscheidet Halbschmarotzer und echte (Voll-)Schmarotzer. Ein echter Schmarotzer ist die Weißbeerige Mistel jedoch nur in Bezug auf die Versorgung mit Wasser und Mineralien. Sie ist kein Vollschmarotzer wie viele Pilze und auch manch andere Pflanzen, die nicht grün sind und deshalb auch die Zuckervorräte ihrer Wirtspflanzen anzapfen müssen. Mit Hilfe des grünen Farbstoffes machen Halbschmarotzer die Photosynthese selbst. Sie stellen also die Zucker-Verbindungen, die sie als Energie für das eigene Wachstum benötigen, selbst aus der Lichtenergie und Kohlendioxid her.

4.    Wozu verwendeten unsere Vorfahren die Mistelzweige?

Unsere Vorfahren nutzten die Zweige zur Abwehr von Dämonen und als Glücksbringer. Als immergrüne Pflanze war sie Symbol für Leben, Kraft, Fruchtbarkeit und Glück, gleichzeitig aber auch für Tod, Zauber und Schmarotzertum. 

Die eigenwillige Wuchsform und Lebensweise des Halbschmarotzers ließen vielfältige mystische Deutungen zu. Die immergrüne Kugel galt als Glücksbringer und Fruchtbarkeitssymbol. Daher kommt auch die Sitte, zu Weihnachten einen Mistelzweig an die Zimmerdecke zu hängen. Über der Tür aufgehängt, sollte der Mistelzweig das Haus und seine Bewohner vor Unglück schützen.

Noch immer sind Mistelzweige DAS Grün der englischen Weihnachten mit deutlich mystischem Bezug. Auch bei uns findet man seit etlichen Jahren auf jedem Weihnachtsmarkt Stände, die Mistelzweige verkaufen.

Andererseits deuteten unsere Vorfahren die grünen Misteln in den kahlen Bäumen als Störzonen, die Lebenskraft rauben. Entsprechend der Gesetze der Homöopathie, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden möge, vermutete man, dass Misteln im Krankheitsfall auch die Heilkräfte anregen können. Inzwischen ist gut bekannt, dass die Inhaltsstoffe der Mistel tatsächlich Wirkungen haben, die heute medizinisch in Arzneimitteln zur Behandlung verschiedener Erkrankungen genutzt werden.

5.    Bei Mistelzweigen an den Naturschutz denken!

Aus Sicht des Naturschutzes kann der Brauch, sich Mistelzweige über die Tür zu hängen, in manchen Gegenden problematisch sein. Man sollte beachten, dass solch eine Kugel eine ganze Pflanze ist und die Misteln sehr langsam wachsen. Der jährliche  Zuwachs ist nur einen dieser typischen Abschnitte lang.  

Das bedeutet, dass es einige Jahrzehnte dauert, bis so eine ansehnliche Kugel entstanden ist. Allerdings haben sie sich in vielen Gegenden so gut verbreitet, dass sie nicht unter Naturschutz stehen. Mancherorts wird inzwischen sogar empfohlen, sie zu schneiden – aber natürlich nicht in Naturschutzgebieten.

6.    Medizinische Wirkung und Anwendung

Als Heilpflanze wird sie schon seit Jahrhunderten zur Therapie von unterschiedlichen Erkrankungen eingesetzt. Misteltee dient traditionell zur Regulierung des Herz-Kreislaufsystems, insbesondere bei Bluthochdruck. Er wird auch zur Behandlung von Schwindelanfällen, Kopfschmerzen und Gelenkerkrankungen angewandt. Diese Wirkungen konnten allerdings bisher wissenschaftlich nicht eindeutig belegt werden.

Trotzdem gehört die Misteltherapie heute zu den bestuntersuchten Therapien mit pflanzlichen Arzneimitteln. Das aktuelle Interesse bezieht sich insbesondere auf die Wirkungen in Zusammenhang mit der unterstützende Krebstherapie. Diese Form der Anwendung nahm in den 1920er Jahren mit Rudolf Steiner ihren Anfang, dem Begründer der Anthroposophie und der anthroposophischen Medizin. 

Seit den 1980er Jahren wird die Misteltherapie systematisch untersucht. Eine besondere Rolle für die Anwendung als Arzneimittel spielen so wirksame, aber bei unsachgemäßer Anwendung auch giftige Inhaltsstoffe, wie Mistellektin I und Viscotoxine. 

Interessant zu wissen: Die Zusammensetzung eines Mistel-Extrakts variiert je nach Jahreszeit, verwendeten Pflanzenteilen und Wirtsbaum. Sie ist aber auch abhängig vom Extraktionsverfahren. Deshalb sollten nur zugelassene Medikamente mit standardisierten Wirkstoffen im Rahmen der Phytotherapie zur Anwendung kommen.

Mistelextrakte werden üblicherweise als Injektion unter die Haut gespritzt – teilweise auch in Akupunktur-Punkte bzw. Reflexzonen für die betroffene Körperregion, teilweise aber auch in die Vene. Sie wirken insbesondere auf das Immunsystem. Bei der Injektion, also der parenteralen Anwendung, können verschiedene Nebenwirkungen auftreten – u.a. Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen. Wegen der möglichen Nebenwirkungen und der Notwendigkeit der richtigen Dosierung gehört die Misteltherapie in die Hand von erfahrenen Naturheilkundlern. Bitte informieren Sie sich daher in Ihrer Arzt- bzw. Heilpraktiker-Praxis über die Misteltherapie.

7.    Viscum album in der Homöopathie

Auch in der Homöopathie kommt die Misteltherapie zur Anwendung. Homöopathische Mittel werden in Form von Tropfen, Tabletten, Globuli, Salben oder Injektionen verabreicht. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist bei diesen Mitteln im Allgemeinen deutlich geringer, weil die Wirkung homöopathischer Mittel eine ganz andere ist als die von den meisten anderen Arzneimitteln und auch die der Mistel als pflanzliches Arzneimittel: Mit homöopathischen Mitteln werden im Sinne einer spezifischen Reiztherapie die Selbstheilungskräfte stimuliert. 

Orale Mittel, also Globuli, Tropfen und Tabletten mit Viscum Album Urtinktur oder in höherer Potenz erhalten Sie in Ihrer Apotheke. Von Ihrem Arzt oder Apotheker können Sie sich auch über die richtige Dosierung der Mittel informieren lassen – ebenso über mögliche Nebenwirkungen bzw. Anwendungsbeschränkungen.

Folgende Anwendungsgebiete haben sich in der Homöopathie besonders bewährt: Verschleißkrankheiten der Gelenke, Schwindelgefühle, Lymphsystemerkrankungen und Stauungen sowie Katarrhe der Atmungsorgane.

Der sprechende Wirkstoffkompass

Homöopathische Anwendung von Mistel

die Kreislauf-Harmonisierende unterstützt bei:

  • Bluthochdruck
  • schwachem Puls
  • Atemnot
  • Gefäßkrämpfen
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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.

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