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Naturmedizinischer Wirkstoff Johanniskraut

Hypericum perforatum

Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)

Heißt es Johanniskraut oder Johanneskraut?

Obwohl der Heilige Johannes der Namensgeber für das Echte Johanniskraut ist, wird die Pflanze doch mit „i“ geschrieben. Der Blühbeginn der sonnigen, gelben Blüten Ende Juni machte sie zum Symbol der eingefangenen Sonne und der heidnischen Sonnenwend-Feiern am 21. Juni. Im Zuge der Christianisierung wurden die Feiern auf den 24. Juni, den Gedenktag des Hl. Johannes verlegt. Seither heißt es Johanniskraut.

Zu Zeiten des Paracelsus wurde die Pflanze „Perforata” genannt – nach ihrem charakteristischen Merkmal, den wie perforiert, also durchlöchert scheinenden Blättern. Deshalb wird es auch Tüpfel-Johanniskraut genannt oder wissenschaftlich Hypericum perforatum.
Diese vermeintlichen Löcher sind winzige, mit Öl gefüllte Drüsen. Der Sage nach sollen diese vom Teufel stammen, der aus Wut über die Macht, die das Kraut über ihn besaß, die Blätter mit seinem Dreizack durchbohrte.
Kein Wunder, denn keiner anderen Pflanze wurde von unseren Vorfahren so viel zauber- und teufelabwehrende Kraft zugeschrieben wie dem Johanniskraut.
Als Ursache sahen unsere Vorfahren das sonnenhafte, alles erhellende Wesen: Die Blütenblätter sind sonnengelb und die Staubblätter sonnenstrahlenähnlich.
Heute wissen wir, dass Johanniskraut tatsächlich eine heilende Wirkung auf Körper und Seele ausüben kann.

Was bewirkt Johanniskraut?

Inzwischen gehört das Johanniskraut zu den best-untersuchten Heilpflanzen und das erfahrungsheilkundliche Wissen wurde auch wissenschaftlich bestätigt: Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend. Es gilt damit als pflanzliches Antidepressivum. In wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Wirkung von Johanniskraut-Extrakt mit der Aktivität der Neurotransmitter zusammenhängt. Das sind die Botenstoffe, die den Informationsfluss zwischen den Nervenzellen gewährleisten. Besonders der Neurotransmitter Serotonin wird vom Johanniskraut positiv beeinflusst. Serotonin wird manchmal auch als das „Glückshormon“ bezeichnet, obwohl es im eigentlichen Sinne des Wortes kein Hormon ist. Eine Depression geht meistens mit einem Serotoninmangel einher.

In welcher Dosierung sollte man Johanniskraut nehmen, damit es hilft?

Früher wurden die getrockneten Pflanzen häufig einfach mit kochendem Wasser übergossen und als Johanniskraut-Tee getrunken. Nach heutigem Wissen sollte man aber einen auf Hypericin bzw. Hyperforin standardisierten Trockenextrakt verwenden und mindestens 300 mg davon am Tag einnehmen, um eine stimmungsaufhellende Wirkung zu erzielen. Entsprechende pflanzliche Arzneimittel gibt es in der Apotheke zu kaufen. Nur die Arzneimittel, die zur Behandlung von mittelschweren Depressionen eingesetzt werden, sind verschreibungspflichtig. Freiverkäufliche Johanniskraut-Produkte aus der Apotheke können bei leichten depressiven Episoden unterstützen. Bei schweren Depressionen kommen synthetische Antidepressiva zum Einsatz, die der Arzt verschreiben muss.

Welche Nebenwirkungen hat Johanniskraut?

Da Johanniskraut inzwischen so gut untersucht ist, weiß man auch viel über die Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Ein Problem von hochdosiertem Johanniskraut-Extrakt kann beispielsweise sein, dass bestimmte Enzyme in der Leber in ihrer Aktivität angeregt werden. Manche dieser Enzyme sind unter anderem für den Abbau bestimmter Arzneimittel verantwortlich. Durch die Aktivierung kann es sein, dass diese Arzneimittel schneller als üblich abgebaut und damit weniger wirksam werden. Deshalb dürfen Johanniskraut-Produkte nicht zusammen mit manchen lebenswichtigen Arzneimitteln eingenommen werden – bei anderen muss eventuell mit einer Wirkabschwächung gerechnet. Diese Wirkabschwächung kann auch hormonelle Verhütungsmittel betreffen, wie die Pille.

Darf man an die Sonne oder ins Solarium, wenn man Johanniskraut nimmt?

Immer wieder hört und liest man, dass Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit erhöht. Das kann tatsächlich sein, v.a. bei sehr sonnenempfindlicher Haut. Vielleicht hängt diese Beobachtung aber auch damit zusammen, dass die graue Jahreszeit die Zeit ist, in der am meisten Johanniskraut-Produkte eingenommen werden und im Frühjahr während der ersten Sonnenstrahlen die Haut immer deutlich empfindlicher gegenüber der UV-Strahlung ist. Deshalb: Schützen Sie Ihre Haut immer gut vor zu viel UV-Strahlung und testen Sie Ihre individuelle Lichtverträglichkeit durch langsame Steigerung der Licht-Exposition vorsichtig aus. Und noch ein Tipp: Schauen Sie im Beipackzettel Ihrer anderen Arzneimittel nach, ob diese eventuell phototoxisch sind, denn durch Johanniskraut könnte dieser Effekt noch verstärkt werden. Phototoxisch bedeutet, dass durch Sonnenlicht direkte Hautreaktionen auftreten können.

Hat Johanniskraut was mit Johannisbrotkernmehl zu tun?

Nein! Die einzige Gemeinsamkeit ist der Name, der sich auf Johannes den Täufer bezieht.
Beim Echten Johanniskraut (Hypericum perforatum) liegt das am Beginn der Blütezeit, die um den 24. Juni, also den Gedenktag für den Hl. Johannes liegt. Ansonsten ist das Johanniskraut eine krautige Pflanze aus der botanischen Familie der Johanniskrautgewächse.

Der Johannesbrotbaum ist ein Baum aus der Familie der Schmetterlingsblütengewächse. Er kommt im Mittelmeergebiet vor und trägt bis zu 30 cm lange Früchte – die Johannisbrotschoten oder Karuben. Diese enthalten 10 bis 15 etwa einen Zentimeter lange Samenkörner – die Johannisbrotkörner. Aus diesen wird das Johannisbrotkernmehl hergestellt.

Der Name könnte sich darauf beziehen, dass Johannes der Täufer sich während seines Aufenthaltes in der Wüste von den Früchten und Samen ernährt haben soll.

Hypericum-Extrakte in der Pflanzenheilkunde und in der Homöopathie

In der Phytotherapie steht die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakten im Vordergrund der innerlichen Anwendung. Johanniskraut-Öl, auch als Rot-Öl bekannt, wird aber auch äußerlich bei Verletzungen angewandt.

Da die antibiotisch wirkenden Gerbstoffe weniger mit Öl, sondern mehr durch Alkohol aus dem Johanniskraut herausgelöst werden, spielen alkoholische Hypericum-Extrakte, Urtinkturen und Homöopathika in niedrigen Potenzen eine wichtige Rolle in der Wundheilung. Diese können in der Apotheke gekauft werden, enthalten aber meistens keine Angaben zu den Anwendungsgebieten.

Homöopathisch steht die Wirkung auf das Nervensystem im Vordergrund.

Homöopathische Anwendung von Johanniskraut

Balsam für die Nerven unterstützt bei:

  • Nervenverletzungen
  • starken Schmerzen durch Verletzungen
  • Muskelkrämpfen

Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Pflanzen-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen.

Phytotherapeutische Anwendung von Johanniskraut

der Stimmungsaufheller

  • wirkt stimmungsaufhellend
  • kräftigt das Nervenkostüm
  • Wirkeintritt nach 2–3 Wochen

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zu Johanniskraut in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.