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Naturmedizinischer Wirkstoff Schöllkraut

Chelidonium majus

Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)

Woher kommt der Name?

Der deutsche Name leitet sich wohl von dem wissenschaftlichen Namen Chelidonium ab. Für diesen gibt es zwei mögliche Quellen. Er könnte auf das lateinische Wort coelidonum oder donum cauli zurückzuführen sein. Das beutet „Himmelsgabe“. Chelidonium könnte aber auch vom griechischen Wort chelidon für Schwalbe abgeleitet sein.

Für eine Himmelsgabe mit übernatürlichen Kräften hielt man das Kraut im Mittelalter tatsächlich. Man sah eine Beziehung zwischen dem Austreten eines rötlichen Saftes nach Verletzungen der Pflanze und dem Bluten des menschlichen Körpers. Darüber hinaus stellten unsere Vorfahren immer einen Bezug von Pflanzen mit Milchsaft zur heiligen Milch der Gottesmutter her. Das übernatürliche Potential dieser Heilpflanze stach damit geradezu ins Auge.

Auf vielen geistlichen Bildern soll die Darstellung der Pflanze demzufolge auch die Heilung von geistiger Blindheit symbolisieren.

Den Bezug zu Schwalben kann man sich vielleicht so erklären, dass die Blütezeit des Schöllkrauts (ab Ende April bis September) mit dem Eintreffen und dem Abflug der Schwalben zusammentrifft.

Die Legende besagt, dass Schwalben ihren Jungen von dem Kraut geben, um ihnen die Augen zu öffnen bzw. um Krankheiten der Augen und Blindheit zu heilen. Daher stammt auch das Sprichwort: Schöllkraut ist den Augen gsundt, das wird uns von den Schwalben kundt!

Beobachtungen, die das bestätigen könnten, gibt es aber leider nicht. Ganz anders sieht es jedoch mit der Heilwirkung auf Leber und Galle aus.

Wo findet man Schöllkraut und wie sieht es aus?

Die Pflanze ähnelt etwas dem bekannten Klatschmohn. Deshalb gehört sie wie dieser in die Familie der Mohngewächse. Ihre Blüten sind jedoch kleiner und gelb. Chelidonium majus ist in Europa und Asien weit verbreitet. Die krautigen Pflanzen wachsen vor allem an Hecken- und Wegrändern. Botaniker bezeichnen sie deshalb als typische Ruderalpflanze. Inzwischen ist sie auch in Nordamerika eingeschleppt worden. Die 50 bis 70 cm hohe Pflanze ist mehrjährig. Die gefiederten Blätter haben einen leichten blaugrünen Farbton. Die gelben Blüten bestehen aus vier Kronenblättern. Die zwei grünen Kelchblätter fallen beim Öffnen der Blüte ab. Aus den zahlreichen Blüten entstehen schmale, schotenförmige Kapseln, die bei Fruchtreife aufspringen, um die Samen zu entlassen. Da offene und geschlossene Schoten oft nach oben, aber auch in alle Richtungen stehen, erscheint die fruchtende Pflanze irgendwie zerzaust. Die meisten Menschen sehen sie als typisches „Unkraut“ der Wegränder an.

Der gelbe Milchsaft

Besonders charakteristisch für die Pflanze ist der kräftig gelbe Milchsaft, der beim Abbrechen des Stängels austritt.

Volkstümlich diente der frische Milchsaft zur äußerlichen Anwendung bei der Behandlung von Warzen, Hornhaut und Hühneraugen. Der gelbe Saft bzw. seine Anwendungsgebiete brachten dem Schöllkraut weitere Bezeichnungen ein: Es ist auch als Warzenkraut und Goldwurz bekannt. Da aber auch bei Chelidonium die Dosis darüber entscheidet, ob die Pflanze heilsam oder giftig ist, erhielt sie auch schon früh den Namen Tüfelsmilch.

Wertvolle Heilpflanze für Leber und Galle

Diese Wirkung ist schon seit Jahrhunderten bekannt und inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesen.

In der vorwissenschaftlichen Zeit schloss man aus dem Äußeren einer Pflanze, also ihrer Signatur, auf die Heilkräfte. Typische Beispiele sind Lungenkraut (Pulmonaria), Milzkraut (Chrysosplenium) und Augentrost (Euphrasia).

In dem gold-gelb-orangenen Saft des Schöllkrautes sah die so genannte Signaturen-Lehre den Gallensaft. Gelbe Blüten galten ganz allgemein als Signaturpflanzen für Leber und Galle. Dementsprechend wurde der Schöllkraut-Saft dann auch verwendet - v.a. bei Schmerzen im Oberbauch.

Chelidonium und Albrecht Dürer

Der berühmteste Schöllkraut-Patient war wohl Albrecht Dürer. Er erkrankte auf einer Reise schwer und sandte seinem Arzt daraufhin ein Selbstbildnis, auf dem er den geschwollenen und besonders schmerzenden Bereich seines Körpers markierte: die Leber-Region. Daraufhin wurde ihm Schöllkraut verordnet. Offensichtlich entfaltete es schnell seine krampflösende Wirkung. Möglicherweise ist das wunderschöne Gemälde des Schöllkrautes, welches wir in der Albertina in Wien bewundern können, sein Dank für dieses Heilkraut.

Die Heilpflanze in der modernen Medizin

Die anregende Wirkung auf die Galle-Produktion ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen worden. Da die Pflanze eng mit dem (Schlaf)Mohn verwandt ist, hat sie auch ähnliche Inhaltsstoffe. Dazu gehören verschiedene Alkaloide, die - richtig dosiert - schmerzlindernd wirken können. In hoher Dosierung sind sie jedoch giftig. Typische Chelidonium-Alkaloide sind Coptisin, Chelidonin, Protopin und Berberin. Diese wirken schmerzlindernd und krampflösend auf den Verdauungstrakt.

Wegen Bedenken hinsichtlich einer möglichen leberschädigenden Wirkung wird Schöllkraut seit einigen Jahren nur noch in Form von relativ schwach konzentrierten pflanzlichen Arzneimitteln angeboten. Inzwischen müssen die schöllkrauthaltigen pflanzlichen Arzneimittel auch den Hinweis tragen, dass sie leberschädigend sein können.

Umso wichtiger ist die Anwendung in der Homöopathie geworden. In homöopathischen Komplexmitteln wird Chelidonium erst ab Konzentrationen eingesetzt, in denen es nicht mehr bedenklich hinsichtlich einer möglichen Lebertoxizität ist.

Deshalb spielt Chelidonium in der Homöopathie eine wichtige Rolle bei Störungen im Leber-Galle-System und bei starken Entzündungen. Wegen seiner antientzündlichen und leberstimulierenden Wirkung ist Cheldonium in manchen homöopathischen Lymphmitteln enthalten.

Homöopathische Anwendung von Schöllkraut

das Himmelsgeschenk unterstützt bei:

  • Antriebslosigkeit
  • Leber- und Galle-Funktionsstörungen
  • Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
  • juckender, trockener Haut

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zum Schöllkraut in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.