Vitamin E
Von Philomena Schäfer

Inhaltsstoff Vitamin E

Kurz erklärt:

Es handelt sich um ein fettlösliches Vitamin, das viele Funktionen im menschlichen Organismus hat. Zu den wichtigsten gehört der Schutz wertvoller Zellstrukturen vor oxidativem Stress. Dabei arbeiten die Vitamine C und E eng zusammen und schützen die Körperzellen gemeinsam vor Zerstörung durch aggressive Sauerstoffverbindungen, die beispielsweise im Zuge von Entzündungen verstärkt gebildet werden. Die besten Vitamin-E-Quellen sind pflanzliche Öle.

Was ist Vitamin E?

Es ist die Bezeichnung für ein fettlösliches Vitamin. Mit dem Begriff Vitamine werden lebensnotwendige organische Substanzen bezeichnet, die steuernde oder katalytische Funktionen im Organismus haben, aber nicht oder nicht ausreichend von ihm selbst hergestellt werden können. Es handelt sich also um essentielle Nahrungsbestandteile für viele Tiere und den Menschen. Im Gegensatz zu ihnen können die meisten Pflanzen und manche so genannte niedere Lebewesen, wie Bakterien und Pilze, verschiedene Vitamine selbst herstellen. 

Wie für viele andere Vitamine gilt auch für Vitamin E: Es gibt nicht nur eine chemische Verbindung, die so bezeichnet wird, sondern verschiedene. Unter dem Oberbegriff wird eine ganze Gruppe von chemischen Verbindungen mit Vitamin-E-Aktivität zusammengefasst. In der Natur am verbreitetsten und zugleich die biologisch wirksamste Substanz ist das D-alpha-Tocopherol (RRR-alpha-Tocopherol). Es gilt als Standardeinheit für Vitamin E. 1 mg davon entsprechen 1,49 Internationalen Einheiten (I.E.) Vitamin E.   

Wie unterschieden sich die verschiedenen chemischen Verbindungen?

Es gibt eine ganze Reihe von chemischen Verbindungen, die als Vitamin E bezeichnet werden. Dazu gehören alle 4 in der Natur vorkommenden Tocopherole (alpha-Tocopherol, beta-Tocopherol, gamma-Tocopherol und delta-Tocopherol) und auch die 4 Tocotrienole (alpha-, beta-, gamma- und delta-Tocotrienol) und verschiedene weitere Verbindungen, die durch den chemischen Prozess der Veresterung daraus entstanden sind. 

Die Tocophenole unterschieden sich von den Tocotrienolen nicht nur in der chemischen Struktur, sondern auch in ihrer Bioaktivität und möglicherweise in gewissem Maße sogar in den Funktionen im Körper. Das ist aber noch Gegenstand von Forschungen.

Der Begriff Tocopherol leitet sich von den griechischen Wörtern tokos für Geburt und pherein für tragen ab. Der Grund dafür liegt in der Entdeckung einer Substanz vor ca. 100 Jahren, die ganz offensichtlich für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit von Ratten erforderlich war. Diesem Fakt verdankt sie ihren Namen. Aber mehr noch: Auf diese Eigenschaft beziehen sich auch die Angaben zur biologischen Aktivität der verschiedenen Verbindungen.

Im engeren Sinne bezeichnet man das natürliche D-α-Tocopherol als Vitamin E und auch das synthetisch hergestellte DL-α-Tocopherol (-acetat). D-alpha-Tocopherol besitzt die höchste biologische Aktivität (100 %) und ist deshalb die Referenzsubstanz. Die anderen Verbindungen haben eine deutlich geringere Bioaktivität. Deshalb sind handelsübliche Tocopherole auf die Angabe der Bioaktivität von D-α-Tocopherol standardisiert. 

Wie unterscheidet sich natürliches Vitamin E von synthetischem?

Während das D-α-Tocopherol das in der Natur am häufigsten vorkommende Vitamin E mit der gleichzeitig besten biologischen Aktivität ist, entstehen bei der synthetischen Gewinnung alle acht möglichen Stereoisomere von α-Tocopherol. Stereoisomere sind die verschiedenen räumlichen Variationen ein und derselben chemischen Verbindung. Chemiker sprechen bei der gleichzeitigen Anwesenheit verschiedenen Stereoisomere von einem Racemat. Dieses Racemat aus allen 8 Stereoisomeren wird als all-rac-alpha-Tocopherol bezeichnet. Die biologische Aktivität dieser weit verbreiteten synthetischen Form liegt bei 67 % der Aktivität von D-alpha-Tocopherol. 

Es gibt einen weiteren Unterschied: Das synthetische Tocopherol wird mit Essigsäure versetzt. So entsteht D-α-Tocopherylacetat. Der Vorteil: Es ist weitaus weniger licht- und sauerstoffempfindlich als die Tocopherole selbst. Der Nachteil: Synthetisches Tocopherol hat nicht nur eine geringere biologische Aktivität (67 %), sondern zusätzlich eine schlechtere Bioverfügbarkeit, weil es sowohl schlechter aufgenommen als auch schneller ausgeschieden wird. Das bedeutet: Für die gleiche biologische Aktivität ist sehr viel mehr synthetisches als natürliches Tocopherol nötig.

Welche Eigenschaften haben Tocopherole?

Es handelt sich um ölige Flüssigkeiten mit einer leicht gelblich-rötlichen Farbe. Dementsprechend sind sie gut löslich in Fetten und Ölen, aber unlöslich im Wasser. Sie sind relativ stabil gegenüber Hitze, Sauerstoff, Säuren und Basen, aber instabil gegenüber Eisen-Ionen und Licht. Ursache für diese Instabilität ist die Anfälligkeit gegenüber oxidierenden Stoffen. Genau das ist aber auch eine der wichtigsten Eigenschaften dieser Verbindungen: Als Antioxidans schützt Tocopherol wertvolle Zellstrukturen vor deren Zerstörung durch Oxidation, indem es selbst oxidiert wird. Mit anderen Worten: Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Welche Nahrungsmittel enthalten viel Vitamin E?

Nur Pflanzen können das Vitamin selbst herstellen. Welche der Verbindungen hergestellt wird und wie gut es vom Menschen aus der Nahrung aufgenommen werden kann, ist von Pflanze zu Pflanze verschieden. Um eine gute Vitamin-E-Versorgung zu gewährleisten, gehört deshalb eine große Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln auf einen gesunden Speiseplan. 

Die besten Vitamin-E-Quellen sind pflanzliche Öle, wie Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl und Olivenöl. Einen verhältnismäßig hohen Gehalt haben auch verschiedene Vitamin-E-reiche Getreidesorten und Nüsse. Auch andere pflanzliche Produkte können relativ viel Tocopherol enthalten – allen voran grüne Pflanzenteile. 

Über die Nahrungskette können tierische Lebensmittel zwar auch Tocoperole enthalten – allerdings in vergleichsweise geringen Mengen.

LebensmittelVitamin-E-Gehalt pro 100g
Weizenkeimöl215 mg
Sonnenblumenöl56 mg
Maiskeimöl31 mg
Olivenöl12 mg
Weizenkleie, Roggen, Mais2 mg
Fenchel4 mg
Spargel, weiße Bohnen2 mg
Tomaten, Brokkoli, Rosenkohl, Möhren   1 mg
Mandel, Haselnuss25 mg


Tabelle: Vitamin-E-Gehalt in Lebensmitteln. Quelle: Bässler, Golly, Loew, Pietrzik: Vitamin-Lexikon

Die in der Tabelle angegebenen Werte sind weder verbindlich noch allein sehr aussagefähig. Das liegt einerseits daran, dass der Vitamin-E-Gehalt durch Raffination der Öle vermindert wird. 

Andererseits spielt auch der Gehalt der Öle an ungesättigten Fettsäuren eine Rolle für die Verfügbarkeit: Ist deren Gehalt sehr hoch, ist das Vitamin E weniger gut für uns verfügbar. Bei Weizenkeim-, Sonnenblumen- und Raps-Öl ist das Verhältnis und damit die Bioverfügbarkeit des Vitamins besonders günstig. 

Darüber hinaus beeinflusst die Art der Tocopherole die biologische Aktivität: Maiskeimöl beispielsweise enthält überwiegend das weniger biologisch aktive Gamma-Tocopherol.

Wieviel Vitamin E brauchen wir, um gut versorgt zu sein?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt zusammen mit der österreichischen und der Schweizer Gesellschaft sogenannte D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr heraus. Um einen Vitamin-E-Mangel zu verhindern, empfiehlt die DGE erwachsenen Frauen eine tägliche Aufnahme von 12 mg (18 I.E.) Vitamin E. Für Schwangere, Stillende und Männer sollte die aufgenommene Menge etwas höher sein, um einem Mangel vorzubeugen. 

Wie hoch der Tagesbedarf aber tatsächlich ist, lässt sich nicht eindeutig festlegen, weil er von der Ernährung abhängig ist. Insbesondere der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestimmt den Bedarf: Tocopherol ist für deren Schutz notwendig. Die Aufnahme einer großen Menge an mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus Lebensmitteln (Polyenfettsäuren, wie beispielsweise omega-3-Fettsäuren) ist mit einem höheren Verbrauch und damit einem höheren Tagesbedarf verbunden.

Es gibt verschiedene Nahrungsergänzungsmittel und auch Medikamente, die Vitamin E in unterschiedlicher Dosierung enthalten. Hochdosierte Medikamente werden von einer ärztlichen Praxis verordnet, um einem Vitamin-E-Mangel zu beheben. Sie enthalten Tagesdosen von 600 I.E. bis 1000 I.E. und sollten wirklich nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Nahrungsergänzungsmittel enthalten in der Regel bis zu 300 I.E. und dienen dazu, eine möglicherweise Vitamin-E-arme Ernährung zu ergänzen.

Welche Aufgaben hat das Vitamin in unserem Körper?

Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Man kann Vitamin E als fettlösliches Pendant zu dem wasserlöslichen Vitamin C ansehen: Während Vitamin C* das wichtigste Antioxidans im wässrigen Milieu außerhalb der Körperzellen ist, schützt Vitamin E die Membranen der Zellen vor oxidativem Stress. Insbesondere die lebenswichtigen, in den Membranen gebundenen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Membranlipide) können sehr leicht durch Oxidation zerstört werden.

Oxidativer Stress entsteht beispielsweise während einer Entzündung. 

Im Zuge von Entzündungen oder auch durch starke UV-Strahlung werden vermehrt aggressive Sauerstoffverbindungen gebildet. Man nennt diese aggressiven, weil sehr reaktionsfreudigen Verbindungen auch freie Radikale. Freie Radikale würden wichtige Zellstrukturen zerstören, wenn sie nicht durch Antioxidantien neutralisiert, also unschädlich gemacht werden würden. Unser Körper hat ein komplexes System an Antioxidantien zur Verfügung. Die beiden Vitamine C und E gehören zu den wichtigsten. Interessant ist, dass sie sogar Hand in Hand zusammenarbeiten.  Vitamin C ist nämlich notwendig, um das verbrauchte (oxidierte) E wieder zu regenerieren. Deshalb ist eine ausreichende Vitamin-C-Versorgung relevant für den Vitamin-E-Spiegel.

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin E ist wichtig für die antioxidative Schutzfunktion aller Körperzellen. 

*Vitamin C trägt dazu bei, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.

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