Naturmedizinischer Wirkstoff Strophanthus (gelbe Strophantus-Samen)

Der Name Strophantus ist zusammengesetzt aus dem griechischen strophe (Drehung) und anthos (Blüte) und bezieht sich auf die zusammengedrehten Zipfel der Kronblätter. Gratus steht für dankbar. Die verschiedenen Strophanthus-Arten enthalten im Samen hoch konzentriert das Alkaloid Strophantin, welches bis in die 90er Jahre des 20. Jhd. sehr häufig als Herzglykosid medikamentös eingesetzt wurde. Heute weiß man, dass die Pflanze ihre Heilwirkung am sichersten entfalten kann, wenn sie homöopathisch zur Arznei aufbereitet, also potenziert und damit stark verdünnt worden ist.

Strophanthus (gelbe Strophantus-Samen)
Wissenschaftlicher Name:
Strophanthus gratus
Familie: Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Unterfamilie: Apocynoideae
Gattung: Strophanthus
Trivialname(n) und Synonyme: Strophanthus glabra, S. glaber, Roupellia grata

Was ist Strophanthus und was bedeuten die Namen?

Strophanthus ist eine Gattung Milchsaft-führender Schlingsträucher. Rund 40 verschiedene Arten sind im tropischen Asien und Afrika beheimatet. Die bekanntesten sind Strophanthus gratus, Strophanthus kombe und Strophanthus hispidus. Als Arzneidroge werden die giftigen Samen dieser Arten verwendet. Bei Strophanthus gratus sind sie 11 bis 19 mm lang, spindelförmig und gelb bis gelbbraun gefärbt. 

Der Name Strophanthus ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern strophe (Drehung) und anthos (Blüte) und bezieht sich auf die zusammengedrehten Zipfel der Kronblätter. Der Begriff „gratus“ im lateinischen Namen steht für angenehm bzw. dankbar. Der Namenszusatz „glabra“ im Synonym steht für „kahl“ und bezieht sich auf die Samen, die nur bei S. glabra kahl sind, bei den anderen Arten aber behaart. 

Was ist der Unterschied zwischen Strophanthin und Strophanthus?

Strophanthus ist die Bezeichnung für eine tropische Pflanzengattung. Charakteristisch für die Arten dieser Gattung ist das in den Samen hochkonzentriert enthaltene giftige Glykosid Strophanthin, welches in der richtigen Dosierung zu einer wertvollen Arznei fürs Herz werden kann.

Nach der Ursprungspflanze unterscheidet man g-, k-, und h-Strophanthin. G-Strophanthin (Ouabain) stammt von der Art Strophanthus gratus, k-Strophanthin von S. kombe und h-Strophanthin (Pseudostrophanthin) von S. hispidus. K-Strophanthin ist auch in anderen Pflanzen enthalten, wie beispielsweise im bei uns heimischen Frühlings- bzw. Sommer-Adonisröschen (Adonis vernalis bzw. Adonis aestivalis).

Die Geschichte von Strophantus gratus als Gift- und Heilpflanze

Strophanthus gratus kommt im tropischen Westafrika vor. Dort wurden die zerstoßenen Samen als Pfeilgift verwendet. Das erweckte das Interesse des schottischen Arztes, Botanikers und Diplomaten Sir John Kirk, der mit der Livingstone-Expedition von 1858 bis 1864 in Südostafrika unterwegs war. Man sagt, er verwahrte eine Handvoll der Samen in seinen Toilettenartikeln. Durch Zufall entdeckte er infolgedessen an sich selbst die Wirkung der Samen: Seine Herzschmerzen verflogen augenblicklich, nachdem er sich die Zähne mit seiner Zahnbürste geputzt hatte, die mit den Samen in intensiven Kontakt gekommen war. Das war der Beginn der Forschungen um diesen neuen Herz-Wirkstoff. 1864 kam die Kunde von der Strophanthus-Wirkung mit der Rückkehr der Livingstone-Expedition nach Europa. 

Der schottische Arzt und Apotheker Fraser isolierte als erster aus dem Samen die Herzglykoside. Glykoside sind chemische Zucker-Alkohol-Verbindungen, die in der Natur weit verbreitet sind und viele biologische Funktionen haben. Eine besondere Bedeutung haben die so genannten Herzglykoside. Die bekanntesten sind Digoxin und Digitoxin aus dem Fingerhut (Digitalis). Aber auch das Convallatoxin, das Gift der Maiglöckchen, enthält verschiedene Herzglykoside. Für die Strophanthus-Arten ist das Herzglykosid Strophanthin typisch. Es macht ca. 80 % der Glykoside der Samen aus. Man findet es aber auch in anderen Pflanzen-Arten.

Seit 1885 wurden viele Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Angina pectoris und Herzinsuffizienz mit der Tinctura Strophanthi behandelt, die auf den schottischen Arzt und Apotheker Thomas Fraser zurückgeht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zur Entwicklung eines intravenösen Arzneimittels, das dann lange zur Anwendung kam. Erst später kam mit „Strophoral" Strophanthin in Tropfen- und Tablettenform auf den Markt. 

Für was ist Strophantin gut? Wie wirkt es?

Um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatte Strophanthin als „Herz-Kraftstoff“ einen sehr hohen Stellenwert bei der Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: „Was Insulin für die Zuckerkranken, ist Strophanthin für die Herzkranken." Die Ärzte nannten es die „Milch für die alten Leute". Obwohl es sich bei dem Wirkstoff um ein starkes Gift handelte, gab es doch erstaunlich wenige Nebenwirkungen. Besonders wichtig: die Wirkung erfolgt schnell und bringt dem Patienten damit rasche Linderung. 

Die Wirkungen von Strophanthin:

  • positiv inotrop (Verstärkung der Kontraktionskraft des Herzes)
  • negativ chronotrop (Verlangsamung der Herzfrequenz)
  • Abnahme der Spannung des Herzmuskels und des Ventrikel-Innendrucks  Entlastung des Herzens. Es könnte sinnvoll sein, diese Wirkung auch zur Gesunderhaltung des Herzens zu nutzen.

Was ist besser: Digitalis oder Strophanthus?

Während das Herzglykosid Strophanthin als hochwirksames Herzmittel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele begeisterte Anhänger hatte, gewannen die Digitalis-Glycoside seit den 50er Jahren rasch an Bedeutung. Nach Meinung vieler Ärzte waren diese besser zur Therapie von Angina pectoris und anderen Herzerkrankungen geeignet. Einer der Gründe war, dass sich die Strophanthin-Dosierung in Tropfen- bzw. Tablettenform als weniger zuverlässig bzw. standardisierbar erwies, weil viele individuelle Faktoren die Aufnahme und damit die Wirksamkeit beeinflussen. Die Digitalis-Glycoside erschienen damit genauer dosierbar.

Auch deshalb ist es leider seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts recht still geworden um Strophanthin in der wissenschaftlichen Medizin. Seither gibt es kaum noch wissenschaftlich anerkannte Studien rund um die Wirksamkeit dieser interessanten Substanz. 
Doch auch die Digitalis-Glykoside sind inzwischen in den Hintergrund gerückt. Moderne Arzneimittel, wie Betablocker, ACE-Hemmer und Sartane haben sie verdrängt und sind heute die Standardtherapien für das Herz-Kreislauf-System. 

In der Erfahrungsheilkunde – insbesondere in der Homöopathie - wird Strophanthus gratus aber nach wie vor gern eingesetzt. 

Strophanthus in der Homöopathie

Für das homöopathische Mittel Strophantus gratus werden die von dem grannenartigen Fortsatz befreiten, reifen getrockneten Samen von Strophantus gratus verwendet. Sie enthalten zu rund 5 % das g-Strophanthin. Zur Herstellung von homöopathischen Arzneimitteln wird die Urtinktur dann weiter homöopathisch aufbereitet. Als Einzelmittel (meist in Form von Globuli) oder als Bestandteil von Komplexmitteln in Form von Tropfen, Tabletten oder Injektionen werden die Arzneimittel dann von Homöopathie-Herstellern in der Apotheke angeboten. 

In manchen Apotheken werden auf Rezeptur durch einen Arzt/Ärztin oder Heilpraktiker/in auch Arzneimittel mit der gewünschten Menge an g-Strophanthin individuell für die Patienten hergestellt. Allerdings sind Medikamente – auch Globuli - mit Strophanthin in hoher Dosierung verschreibungspflichtig. Bitte erkundigen Sie sich diesbezüglich und auch wegen der richtigen Einnahme und möglicher Nebenwirkungen bei Ihrer naturheilkundlich versierten Arzt-Praxis bzw. bei Ihrer/m Apotheker/in.
 

Literatur:

Bücher

  • 1 Hiller, K., Melzig, F.: Die große Enzyklopädie der Arzneipflanzen und Drogen, Area-Verlag GmbH Erftstadt 2007*
  • 2 Roth, L., Daunderer, M., Kormann, K.: Giftpflanzen Pflanzengifte, Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 4. Auflage 1994*
  • 3 Schmidsberger, P.: Skandal Herzinfarkt. Die Hintergründe einer Epidemie und der Strophanthin-Streit. Eine Analyse., Verlag R.S. Schulz., Copyright zur Internetnutzung vom 19.12.2003, ISBN 3-7962-0061-3. Auflage 1975*
  • 4 Schilcher, H.: Leitfaden Phytotherapie., Elsevier Urban & Fischer., 5. Auflage 2016*

Weblinks

*: Bei Literatur: Erscheinungsjahr; bei Webseiten: Datum des letzten Abrufs

Homöopathische Anwendung von Strophanthus (gelbe Strophantus-Samen)

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.

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