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Naturmedizinischer Wirkstoff Hafer

Avena sativa

Familie: Süßgräser (Poaceae)

Bei dem Begriff Hafer denkt wohl jeder an Getreide-Felder und die Haferflocken im Müsli, die schon fast so etwas wie ein Synonym für ein gesundes Frühstück sind. Vielleicht denkt manch einer auch an Pferdefutter. Als Heilpflanze ist der Hafer nur wenigen bekannt, dabei kann er viel für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden leisten.

Hafer wird schon seit der Bronzezeit als Getreide angebaut – überwiegend in Nordeuropa, weil er relativ viel Feuchtigkeit braucht. Zum Backen ist er allerdings wenig geeignet. Das liegt daran, dass er nur wenig Gluten enthält. Gluten ist ein Gemisch aus verschiedenen Eiweißen, das für den Teig als Kleber fungiert. Andere Getreidesorten wie Weizen, Kamut, Emmer, Einkorn und Dinkel haben viel von diesem Gluten. Deshalb kann man mit ihnen unter Zuhilfenahme von Hefe, Backpulver oder einem anderen Triebmittel Teig für Brot, Kuchen oder Gebäck herstellen. Mit Hafer oder anderem Mehl, was wenig Kleber enthält, geht das nicht so einfach. Die Backwaren werden weniger luftig und saftig. Herkömmliches Haferbrot hat deshalb meist nur einen Haferanteil von 20 Prozent.

Warum ist Gluten für manche Menschen ein Problem?

Der geringe Gehalt an Gluten ist eine Eigenschaft des Hafers, die ihn in den letzten Jahren so wertvoll gemacht hat für die immer mehr werdenden Menschen, die Gluten nicht gut vertragen.. Sie reagieren mit Verdauungsstörungen auf die Aufnahme von Gluten. Diese Unverträglichkeit kann angeboren sein. Dann ist sie meist extrem stark ausgeprägt. Man nennt dieses Krankheitsbild Zöliakie. Betroffene müssen Gluten strikt meiden, weil es bei ihnen zu massiven Entzündungen im Magen-Darm-Trakt führen kann.

In den letzten Jahren breitet sich jedoch das Phänomen der Gluten-Empfindlichkeit immer mehr aus und viele Menschen spüren, dass ihnen eine glutenarme Kost besser bekommt. Das ist jedoch meist keine echte Zöliakie, sondern eher eine Überempfindlichkeit auf dieses Eiweiß. Die Beschwerden können aber ähnlich stark sein. Grund dafür ist vermutlich, dass das körpereigene Immunsystem durch das eigentlich harmlose Gluten aktiviert wird und irrtümlich Abwehrreaktionen einleitet, indem es zum Beispiel Antikörper bildet.

Die Ursache dafür ist noch nicht so ganz klar, könnte aber einerseits mit einem wesentlich höheren Gluten-Anteil der heutigen Getreidesorten zusammenhängen aber auch mit unseren Ess- und Lebensgewohnheiten, die einen massiven und zumeist sehr ungünstigen Einfluss auf unsere Darmflora haben. Diese ist ja u.a. auch dafür zuständig, dass das Immunsystem die Entscheidung „Freund oder Feind?“ richtig trifft und nur den „Feind“ bekämpft, den „Freund“ aber unbehelligt lässt. Wenn diese Entscheidung falsch ausfällt, startet das Immunsystem seine Abwehrreaktionen. Spürbar wird das an Entzündungen, Schmerzen, Unwohlsein und anderen Unverträglichkeitsreaktionen.

Das passiert auch bei dem erst seit wenigen Jahren bekannt gewordenen sogenannten Leaky-gut-Syndrom. Das ist ein Phänomen, bei dem die Darmschleimhäute durchlässig werden und Stoffe aus dem Darm ins Blut gelangen, die dort nicht hingehören. Das Immunsystem wird dann aktiv und wehrt sich – für Betroffene unangenehm spürbar.

Solch eine Gluten-Empfindlichkeit bzw. Gluten-Sensibilität kann aber - im Gegensatz zur Zöliakie - vorübergehend sein. Das heißt: Wenn der Darm sich wieder beruhigt, die Schleimhäute und die Darmflora ihren Aufgaben wieder gerecht werden, wird meist auch wieder Gluten vertragen. Bis dahin sollte man es aber meiden oder zumindest einschränken. Dann ist Hafer eine gute Alternative zu glutenreichen Getreidesorten. Andere glutenarme Getreidearten sind Roggen und Gerste. Hirse, Mais, Reis, Quinoa, Amarant und Buchweizen sind sogar glutenfrei.

Warum ist Hafer so gesund?

Der hohe Gehalt an wichtigen Aminosäuren, Mineralstoffen, ungesättigten Fettsäuren und B-Vitaminen macht ihn zu einem besonders wichtigen Bestandteil einer gesunden Ernährung. Das liegt auch daran, dass wir das Haferkorn immer als Vollkorn verzehren. Zu den beliebten Haferflocken wird immer das ganze Haferkorn mit Randschichten, Mehlkörper und Keim verarbeitet. Die kernigen Flocken entstehen durch Walzen dieses ganzen Korns. Feine und weiche Flocken werden vor dem Walzen zerkleinert. Haferflocken sind also immer gesunde Vollkornprodukte! 

Hinzu kommt der hohe Anteil an Ballaststoffen. Hafer ist reich an Beta-Glucan, einem löslichen Ballaststoff, dem vielfältige positive Wirkungen auf den Stoffwechsel des Menschen zugesprochen werden.

Hafer gegen Bauchweh

Haferflocken und Haferschleim dienten von jeher als Diät bei Magen-Darm-Beschwerden. Sicherlich hat jeder als Kind einen Haferschleim bekommen, wenn das Bäuchlein schmerzte. Inzwischen nimmt man an, dass tatsächlich das fehlende Gluten einen Teil der heilsamen Wirkung bei gereizten Schleimhäuten des Magen-Darm-Traktes ausmachen könnte.

Wie vom Hafer gestochen

Mit dieser Redewendung bezeichnen wir einen übergroßen Tatendrang. Ursprünglich geht diese Redensart wohl aber auf das übermütige Verhalten zurück, das Pferde an den Tag legen können, wenn man sie mit zu viel Hafer füttert. Da das germanische Wort Hafr jedoch Bock bedeutet, könnte das der Grund dafür sein, dass beim Gebrauch dieser Redewendung auch manchmal ein sexueller Hintergedanke mitschwingt.

Wofür ist Hafer sonst noch gut?

Flexibilität und Widerstandsfähigkeit: Das sind wohl die Eigenschaften, die wir mit einem Haferhalm verbinden. Alles Starre ist ihm fremd. Während bei anderen Getreiden die Samenkörner eng am Halm sitzen, bewegen sich die Körner vom Hafer wie frei in den losen Rispen und sind dadurch äußerst anpassungsfähig. Witterungsunbilden und Erschütterungen werden vom Hafer problemlos toleriert.

Die äußeren Merkmale ließen unsere Vorfahren auf das Wesen der Pflanzen schließen. Deshalb setzen Erfahrungsheilkundler den Hafer ein, wenn Patienten Belastungen nicht mehr gewachsen sind, wenn sich dies in Erschöpfung und Schlafstörungen äußert, wenn Leichtigkeit abhandengekommen ist oder Betroffene den Halt verlieren und aus der Haut fahren.
Volkstümlich galt Hafer deshalb als Heilmittel bei Nervosität und Erschöpfung aber auch bei Rheuma.

Hafer in der Homöopathie

Heute wird die besänftigende Wirkung des Hafers überwiegend in komplexhomöopathischen Mitteln genutzt. Für die homöopathische Anwendung wird die gesamte Frischpflanze verarbeitet. Das homöopathische Mittel heißt Avena sativa und kommt überwiegend bei nervösen und Schlaf-Problemen zum Einsatz.

Homöopathische Anwendung von Hafer

der Stärkende unterstützt bei:

  • seelischer Erschöpfung
  • nervöser Unruhe
  • Schlaf-Problemen
  • Konzentrationsproblemen

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zum Hafer in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.