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Naturmedizinischer Wirkstoff Kümmel

Carum carvi

ARZNEIPFLANZE DES JAHRES 2016

Der Kümmel ist in ganz Europa als 2-jährige, bis zu 1 Meter hohe Pflanze verbreitet. Die charakteristisch gebogenen Samen dienen seit jeher als Verdauungshilfe und verleihen diversen Spirituosen ihren charakteristischen Geschmack - z. B. dem skandinavischen Aquavit, dem norddeutschen Köm oder dem Wiener Kaiser-Kümmel.

Echter Kümmel (Carum carvi): Wohltat für Magen und Darm

Die Pflanze ist in fast ganz Europa, aber auch Teilen Nordafrikas und Asiens wildwachsend zu finden. Carum ist nicht nur die wissenschaftliche, sondern auch die italienische und französische Bezeichnung dieses bekannten und bei vielen Menschen sehr beliebten Gewürz- und Heilkrautes.

Beim Kümmel handelt sich um bis zu einem Meter hohe, zweijährige Pflanzen. Das heißt: Sie bilden erst im 2. Jahr Blüten aus, wie die Petersilie. Die charakteristisch gebogenen Samen dienen seit jeher als Verdauungshilfe. Sie verleihen diversen Spirituosen ihren charakteristischen Geschmack - z. B. dem norddeutschen Köm, dem skandinavischen Aquavit und dem Wiener Kaiser-Kümmel. Aufgrund seiner Beliebtheit und seiner bemerkenswerten Wirksamkeit hat der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde den Kümmel zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gewählt. Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und pharmazeutische Biologen dieses Studienkreises wählen seit 1999 die „Arzneipflanzen des Jahres“.

Kümmel ist nicht gleich Kümmel

Wenn landläufig von „Kümmel“ die Rede ist, ist zumeist der Echte Kümmel gemeint, der auch als Gemeiner Kümmel oder Wiesen-Kümmel bekannt ist. Die Pflanze gehört zur Familie der Doldenblütler, lateinisch Apiaceae. Auch andere bekannte Gewürzpflanzen sind solche Doldenblüten-Gewächse, beispielsweise Fenchel, Kerbel, Dill und Petersilie. 

Das unterscheidet den Echten Kümmel beispielsweise vom Schwarzkümmel (Nigella sativa), der zu den Hahnenfuß-Gewächsen zählt. Der Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) hingegen gehört ebenfalls zu den Doldenblütlern. 

In unseren Breiten gibt es sehr viele verschiedene weiß blühende Doldenblütler, die teilweise schwer voneinander zu unterschieden sind. Den Echten Kümmel erkennt man unter ihnen leichter an seinem typischen „Kümmelkreuz“, als man das hier beschrieben kann. Dabei handelt es sich um die typische, kreuzweise Stellung des untersten Fiederblattpaares eines jeden doppelt-fiederteiligen Blattes. Dieses unterste Paar sitzt weit entfernt von den folgenden Fiederblatt-Paaren und direkt am Blattstiel.

Gewürz in der Küche

Kümmel gehört zu den ältesten Gewürzen überhaupt: Er wurde bereits vor etwa 5.000 Jahren in Europa von Menschen verwendet. Das weiß man aus archäologischen Ausgrabungen von Pfahlbauten aus der Zeit von etwa 3.000 vor Christus1. Die Verwendung in der Küche wird erstmals in einer Rezepte-Sammlung aus dem 3. Jahrhundert nachgewiesen, der „De re coquinaria“.

Kümmel wird heutzutage in der Küche klassischerweise als Beigabe zu schwer verdaulichen Speisen verwendet, beispielsweise in Kohlgerichten. Aber auch in Brot oder zu Käse kann der Kümmel mit seinem charakteristischen Geschmack punkten. Allerdings ist der kräftige und markante Geschmack nicht jedermanns Sache. Empfindlichere Menschen bevorzugen gemahlenen Kümmel, damit sie nicht auf die intensiv schmeckenden Körner beißen müssen.

Kümmel in der Medizin

Bereits in der Antike schätzte man Kümmelfrüchte in der Medizin: Der griechische Arzt Dioscurides aus dem 1. Jahrhundert nach Christus empfahl den Kümmel als Mittel für Magen und Darm.1 Ein ähnlich hohes Ansehen als Heilpflanze hatte Kümmel im Mittelalter. Karl der Große erwähnt die gesundheitsfördernde Kraft der Pflanze im „Capitulare de villis“. Auch in Schriften der berühmten Medizinschule von Salerno werden die verdauungsfördernden und blähungstreibenden Eigenschaften von Kümmel gelobt2, ebenso wie von Hildegard von Bingen.

Heute weiß man: Kümmel regt die Sekretion des Magensaftes an und fördert so den Appetit. Darüber hinaus ist ihm auch eine darmreinigende Wirkung zugeschrieben worden. Deshalb wurden und werden Kümmel, Kümmeltee und kümmelhaltige Arzneimittel auch zur Darmsanierung eingesetzt.

Kümmel als Arznei-Wirkstoff

Als Arzneimittel bzw. Wirkstoff kommen sowohl die ganzen, reifen und getrockneten Früchte zum Einsatz als auch Kümmelöl. Das ist das aus den reifen Früchten gewonnene ätherische Öl, welches zu 3 bis 7 % in den Früchten enthalten ist. Der geruchsbestimmende Hauptbestandteil des Öls ist das Carvon. Daneben sind aber auch Limonen und andere Terpene enthalten.

Die Einsatzbereiche von Kümmelfrüchten und Kümmelöl sind sehr ähnlich: Beide finden bei Magen-Darm-Beschwerden Anwendung, weil Kümmel eine beruhigende, krampflösende und entblähende Wirkung hat und die Verdauung fördert. Deshalb enthalten auch die gängigen Bauchweh-Tees u.a. Kümmelfrüchte.

Wichtig zu wissen: Werden die Kümmelfrüchte einfach nur mit kochendem Wasser übergossen, wird nur ein kleiner Teil des ätherischen Öls herausgelöst. Deshalb: Kümmelkörner direkt vor der Anwendung mörsern oder gleich ätherisches Kümmelöl bzw. Arzneimittel mit hoch konzentriertem alkoholischem Extrakt verwenden.

Kümmelöl ist auch sehr beliebt zur äußerlichen Anwendung bei Kindern mit Blähungen: sanft im Uhrzeigersinn das Bäuchlein massieren. Dafür kann man ätherisches Kümmelöl in Apotheken-Qualität verwenden. Am besten ein paar Tropfen Kümmelöl in ein gutes Speiseöl geben und als sanftes Massageöl verwenden. Eventuell kann man auch noch ein wenig Pfefferminzöl zugeben.

Man kann sich aber auch ein Kümmelöl selbst herstellen, indem man reife Kümmelfrüchte mörsert, sie mit einem guten Öl (z. B. Jojoba-Öl oder gutes Olivenöl) in ein verschließbares Glas gibt und 2 bis 4 Wochen ziehen lässt. Dann abseihen und innerhalb eines Jahres aufbrauchen.

1 www.uni-muenster.de/Chemie.pb/institut/garten/AdJ2016.html

2 www.klostermedizin.de/index.php/heilpflanzen/arzneipflanze-des-jahres

Phytotherapeutische Anwendung von Kümmel

die Erleichternden:

  • lindern Magen-Darm-Beschwerden
  • wirken beruhigend und krampflösend
  • fördern die Verdauung

 

 

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zu Kümmel in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.