Von Bärbel Tschech

Naturmedizinischer Wirkstoff Biotin (Vitamin B7)

Biotin

Kurz und knapp

Bekannt ist dieses Vitamin vielen Menschen vermutlich aus der Werbung als Beauty-Vitamin: Vitamin H, für schöne Haut und gestärktes Haar. Aber das erstmals unter dem Namen Vitamin H beschriebene Biotin ist viel komplexer und vielseitiger in seiner Wirkung. Es spielt auch eine große Rolle beim Erhalt der Schleimhäute, des Stoffwechsels und der psychischen Funktion.

Das Vitamin für Stoffwechsel, Nervensystem, Haut und Haare

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit gesunder Ernährung. Einige entscheiden sich dazu, wichtige Vitamine auch als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, um die Gesundheit ihres Körpers zu unterstützen. Im Folgenden klären wir: Was ist Biotin, wieso ist es wichtig für uns Menschen, wie hoch ist der Bedarf und wann wird es sinnvoll, den Vitalstoff zusätzlich zur Nahrung zu supplementieren.

Was ist Biotin?

Auch als Vitamin B7 oder Vitamin H bezeichnet, handelt es sich um ein Vitamin und gehört in die Gruppe der B-Vitamine. Der Körper benötigt Vitamine für lebenswichtige Funktionen, kann sie aber nicht (ausreichend) selbst herstellen.

Die unterschiedlichen Namen haben einen historischen Hintergrund. Der Begriff Vitamin H (wie Haar und Haut) geht auf die Entdeckung des Vitamins und seiner Wirkung auf Haut und Haare im Jahr 1898 zurück. Wenn es um die Wirkung auf Haut und Haar geht, werden Biotin-Präparate manchmal auch heute noch mit Vitamin H bezeichnet. Seit der Entdeckung seiner anderen Funktionen, wird die Bezeichnung Vitamin H jedoch kaum noch gebraucht.

Die französische Nomenklatur bezeichnete es als Vitamin B8, während in der deutschen und der angelsächsischen Nomenklatur B8 schon belegt war. Dort wird es daher als Vitamin B7 bezeichnet. Die IUPAC (International Union of Pure and Applied Chemistry) empfiehlt die Bezeichnung ‚Biotin’. Auch die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) nutzt diese Bezeichnung z.B. bei Ihren Referenzwerten. Bei Zimmertemperatur liegt das Vitamin in Form von kristallisierten Nadeln vor, ab ca. 233 °C beginnt es zu schmelzen. Genauso wie die übrigen B-Vitamine ist es wasserlöslich und reagiert empfindlich auf UV-Licht.

Um Biotin aus Nahrungsmitteln zu isolieren, ist ein hoher Aufwand nötig: Als Benno Tönnis und Fritz Kögl 1936 zum ersten Mal Vitamin B7 isolierten, benötigten sie für das Endprodukt von 1,1 mg unvorstellbare 250 kg getrocknete Eidotter. Heutzutage werden bei der Synthese verschiedene mehrstufige Verfahren eingesetzt. Als Ausgangsstoff dienen verschiedene chemische Substanzen (Fumarsäure, die Aminosäure (R)-Cystein oder Tetronsäure).

Die Rolle im Stoffwechsel

Als Bestandteil vieler Enzyme spielt Biotin eine große Rolle im Stoffwechsel. Besonders für die Carboxylasen (Carboxy-Transferasen, wie z.B. Acetyl-CoA-Carboxylase und Propionyl-CoA-Carboxylase) ist es wichtig. Es handelt sich dabei um Enzyme, die für den Auf- und Abbau von bestimmten Fettsäuren (wie z.B. Omega-3-Fettsäuren) und Aminosäuren verantwortlich sind. So beteiligt es sich am Auf- und Abbau von Proteinen und Fettsäuren.

Im Zellkern ist es an der Regulation von vermutlich über 2000 Genen beteiligt. Gene sind Informationseinheiten auf den Erbanlagen der Zellen (DNA).

Biotin ist zudem an vielen allgemeinen Körperfunktionen beteiligt. Es trägt zu einer normalen Funktionsfähigkeit des Energiestoffwechsels, der Psyche, des Nervensystems und der Verwertung von Makronährstoffen bei. Außerdem dient es dem Erhalt des gesunden Normalzustandes von Haar und Haut. Besonders wichtig ist es für die Funktion und Gesundheit der Schleimhäute u.a. im Magen-Darm-Trakt.

Was ist der Tagesbedarf für Erwachsene und Kinder?

Der Biotin-Stoffwechsel ist ein ausgeklügelter Recycling-Mechanismus. Er nutzt die relativ geringen, in der Nahrung enthaltenden Mengen an Vitamin B7 effektiv. Dieser Kreislauf ist jedoch nicht vollständig geschlossen. Dadurch gelangen Teile in den Urin werden über diesen ausgeschieden. Es kann kaum vom Körper gespeichert werden - so wie die meisten anderen Vitamine der B-Gruppe und Vitamin C. Deshalb ist eine regelmäßige Zufuhr über die Nahrung wichtig.

Der genaue Biotin-Bedarf ist nicht bekannt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 30-60 μg/ Tag bei gesunden Erwachsenen. Bei Säuglingen orientiert man sich an der empfohlenen Tagesdosis von 5-10 Mikrogramm Biotin. Erblich bedingte Stoffwechselerkrankungen oder klinisch nachgewiesene Biotin-Mangelzustände werden ärztlich mit Biotin-Produkten in Form von Arzneimitteln behandelt. Diese enthalten zwischen 2,5-10 mg Biotin.

Schwangere stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als Risikogruppe für Biotinmangel ein. Negative Auswirkungen einer Biotin-Supplementierung auf Schwangere sind noch nicht genügend erforscht. Deshalb sollten diese sich an die Empfehlung ihres/r Frauenarztes/ärztin halten.

Welche Nahrungsmittel enthalten Biotin?

Biotin kann sowohl über tierische als auch über pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden.  Die jeweiligen Mengen variieren von Produkt zu Produkt jedoch stark. Beispielsweise enthalten je 100 g:

  • Trockenhefe 200 μg
  • Rinderleber 103 μg
  • Eigelb 50 μg
  • Haferflocken 20 μg
  • Walnüsse 19 μg
  • ungeschälter Reis 12 μg
  • Weizen-Vollkornmehl 8 μg
  • Fisch 7 μg
  • Spinat 6 μg
  • Rind- und Schweinefleisch 5 μg
  • Äpfel 1 μg

Bei einer ausgewogenen Ernährung wird der Bedarf meistens über die Nahrung gedeckt.

Wie lässt sich der Biotin-Bedarf abdecken?

Bei richtiger Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln bleibt deren Biotin-Gehalt relativ stabil. Deshalb kann man mit der normalen Ernährung den Bedarf zumeist abdecken. Eine Ausnahme bilden hier nur Säuglinge, wenn diese eine Fertignahrung ohne Biotin bekommen.

Problematisch können aber Veränderungen und/oder Beeinträchtigungen in der Zusammensetzung der Darmflora sein. Diese können z.B. durch langfristige oder wiederholte Antibiotika-Einnahmen auftreten.

Extreme Ernährungsgewohnheiten, wie der übermäßige Verzehr von rohen Eiern, können Ursachen für eine unzureichende Zufuhr sein. Rohe Eier enthalten das Eiweiß Avidin, welches sich an Biotin bindet. Da Avidin nicht vom Verdauungssystem aufspalten werden kann, kann auch das daran gebundene Vitamin B7 nicht vom Körper aufgenommen werden. Durch Kochen denaturiert das Protein jedoch.

Was wären Folgen einer unzureichenden Versorgung?

Eine unzureichende Versorgung mit Biotinkann aufgrund der vielseitigen Funktionen des Vitamins Auswirkungen z. B. auf den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel aber auch auf die Gesundheit der Schleimhäute haben. Die Folgen können daher sehr vielfältig sein.

Häufig ist Biotin Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln, wie beispielsweise Vitamin-Präparaten (mit vielen weiteren Vitaminen, auch mit Vitamin A und Vitamin E) oder in Vitamin B-Komplex Präparaten (hier meist in Verbindung mit Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin B5, Vitamin B6 und Vitamin B12). Üblicherweise wird es in Form von Biotin-Tabletten oder Kapseln angeboten.

Einen klinischen Mangel muss ein/e Arzt/Ärztin mit den entsprechenden Arzneimitteln behandeln.

Ein Biotin-Überschuss hat nach heutigem Forschungsstand keine negativen Auswirkungen auf den Körper. Zu viel wird, so wie bei anderen wasserlöslichen Vitaminen, einfach ausgeschieden. Da bisher zu wenig aussagekräftige Studien existieren, gibt es noch keinen offiziellen LOAEL (lowest-observed-adverse-effect level)-Wert. Dieser gibt die niedrigste Dosis an, die negative Effekte nach sich ziehen könnte.

Wichtig: Die Einnahme von hochdosierten Biotinprodukten kann Laborwerte verfälschen, wenn diese durch immunologische Verfahren bestimmt werden, deren Grundlage die Biotin-Streptavitin-Wechselwirkung ist. Deshalb sollte eine Biotin-Supplementation stets dem/der behandelnden Arzt/Ärztin mitgeteilt werden.

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.