Von Bärbel Tschech

Naturmedizinischer Wirkstoff Glaubersalz

Natrium sulfuricum

Was ist Natrium sulfuricum?

Der homöopathische Wirkstoff Natrium sulfuricum ist chemisch gesehen Natriumsulfat. Schwefelsaures Natron ist die noch übliche, aber eigentlich veraltete umgangssprachliche Bezeichnung für diese chemische Verbindung mit der Summenformel Na2SO4. Aus chemischer Sicht handelt es sich also um ein Natriumsalz der Schwefelsäure. Es setzt sich aus zwei Natrium-Kationen (Na+) und dem Sulfat-Anion (SO42−) zusammen. Genau genommen ist das Glaubersalz aber nicht das reine Natriumsulfat, sondern das Natriumsulfat-Decahydrat, weil es natürlicherweise hydriert, also an Wasser gebunden ist Na2SO4 · 10 H2O. Man könnte auch sagen Natriumsulfat-10-Wasser, aber diese Bezeichnung ist eher ungebräuchlich.

Glaubersalz wird auch als Sal mirabile, das erstaunliche Salz bezeichnet. Erstaunlich sind auf jeden Fall seine Geschichte und seine Wirkung. Das Natriumsulfat wurde 1625 von dem Chemiker und Apotheker Johann Rudolph Glauber (1604-1670), entdeckt. Selbst erkrankt, nutzte er ein bestimmtes Quellwasser, welches ihn wieder gesund machte. Er untersuchte das Wasser und fand darin gelöst das Sal mirabile, nämlich hydriertes Natriumsulfat. Er entdeckte bereits dessen abführende Wirkung. Später war Glauber auch der Erste, der Natriumsulfat künstlich aus Kochsalz und Schwefelsäure herstellte.

Chemische Eigenschaften von Glaubersalz

Bei Natriumsulfat-Decahydrat handelt es sich um ein weißes, kristallines Pulver bzw. farblose, durchscheinende Kristalle. Es löst sich in Wasser und kühlt dabei stark ab. Das bedeutet, dass es für die Lösung Energie aufnehmen muss. Spürbar wird dieser Effekt, wenn man das Salz auf die Zunge nimmt:  Es hat einen leicht salzigen Geschmack und schmilzt spürbar kühlend. Deshalb muss man es auch kühl, gut verschlossen und trocken lagern. Bei Temperaturen ab 33 Grad hat es bereits genug Energie, um einen Teil seines Kristallwassers freizusetzen. Darin löst es sich dann, wenn es weiter erwärmt wird.

Wo kommt Natriumsulfat-Decahydrat natürlicherweise vor?

Man findet Natrium-Sulfat natürlicherweise in mineralhaltigem (Quell-)Wasser. Wenn es dort stark konzentriert ist, kristallisiert es unter geeigneten Bedingungen sogar aus und bildet Mirabilit. Das ist ein natürlich vorkommendes Mineral, was chemisch gesehen nichts anderes als Sal mirabile, das Glaubersalz ist. Man findet es beispielsweise in der Umgebung von salzhaltigen Quellen. Entsprechend der Struktur ist Mirabilit aber nicht sehr stabil, sondern sowohl wasserlöslich als auch empfindlich gegen Austrocknung. Natriumsulfat ist auch im natürlichen Karlsbadersalz und im Emser Salz enthalten.

Glaubersalz als Heilmittel

Bereits sein Entdecker, der Chemiker und Apotheker Johann Rudolph Glauber erkannte die abführende Wirkung des später nach ihm benannten Glaubersalzes.

In der Medizin dient es als osmotisches Abführmittel, das meist kurzfristig zur symptomatischen Behandlung von Verstopfung eingesetzt wird.  Natriumsulfat wirkt abführend, indem es osmotisch Wasser im Darm zurückhält. Dadurch erhöht sich das Volumen im Darm. Dieser Volumenreiz bewirkt ein schnelleres Abführen. Üblicherweise nehmen Erwachsene zum Abführen 10 bis 30 Gramm Glaubersalz in Form von Pulver. Das Pulver wird in einen halben Liter Wasser gelöst und getrunken. Die Anwendung von Abführmitteln muss aber zeitlich begrenzt sein, da sonst Nebenwirkungen bzw. gesundheitliche Probleme auftauchen können. Außerdem gibt es verschiedene Grunderkrankungen, bei denen Glaubersalz nicht angewendet werden darf. Dazu gehört eine eingeschränkte Nierenfunktion. Es besteht auch die Gefahr von Wechselwirkungen mit bzw. Wirkabschwächung von anderen Arzneimitteln. Informieren Sie sich also immer gründlich und beachten Sie die empfohlene Dosierung, wenn Sie Glaubersalz anwenden wollen.

Glaubersalz wird auch eingesetzt, wenn vor chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen eine vollständige Darmentleerung notwendig ist. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Vergiftungen. Je nach Art der Vergiftung kann es sinnvoll sein, schnell abzuführen. Möglicherweise kann das Glaubersalz hier auch als Komplexbildner die Gifte unschädlich machen. Ob der Einsatz sinnvoll ist oder eventuell sogar schädlich, muss aber ein Arzt entscheiden.

Nicht zuletzt ist Glaubersalz auch in manchen schleimlösenden Mundspülungen und Zahnpasten enthalten.

Natriumsulfat als Lebensmittelzusatzstoff E 514

Da es keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken gibt, kann Natriumsulfat auch als Zusatzstoff für alle Lebensmittel in unbeschränkter Menge verwendet werden. Hier dient es als Trägerstoff, Festigungsmittel und Säureregulator. Es wird u.a. zur Herstellung von Sahne und Milcherzeugnissen eingesetzt. Man erkennt es in der Zutatenliste an der Bezeichnung E 514.

Glaubersalz beim Fasten und als Frühjahrskur

In der Erfahrungsheilkunde kommt Glaubersalz oft im Rahmen von Frühjahrs- und Fasten-Kuren zum „Entschlacken“ zum Einsatz. Traditionell gilt das Abführen als wichtiger Reinigungsprozess für den Körper. Es ist deshalb seit jeher eine wesentliche Maßnahme im Rahmen einer Ausleitung & Entgiftung. Die Anwendung erfolgt nicht nur bei Magen-Darm-Erkrankungen. Heute werden insbesondere Fastenkuren häufig mit einer gründlichen Darmreinigung mit Hilfe von Glaubersalz eingeleitet. Man spricht bei dieser Form der Darmentleerung sogar vom „Glaubern“. Andere, für diesem Zweck geeignete Mittel sind das Bittersalz (Magnesiumsulfat) oder Ozovit (Magnesiumperoxid).

Glaubersalz als Schüssler-Salz und in der Homöopathie

Das Glaubersalz ist aber auch in der so genannten Biochemie nach Schüssler und in der Homöopathie ein guter Bekannter. Als Natrium sulfuricum oder Schüssler-Salz Nr. 10 ist es ein Entschlackungs- und Blutmittel. Es wird zur Entschlackung des Körpers bei Störungen der Leber und Galle, bei Wasseransammlungen im Körper, bei Magen-Darm-Beschwerden und weiteren Indikationen angewendet.

In der homöopathischen Therapie, also homöopathisch aufbereitet, hat es sich bewährt bei Wetterfühligkeit, Schwindel, Asthma, Leberstörungen sowie Wasseransammlungen in den Beinen.

Homöopathische Anwendung von Glaubersalz

das Reinigende unterstützt bei:

  • Wetterfühligkeit
  • Schwindel
  • Asthma
  • Leberstörungen
  • Wasseransammlungen in den Beinen

Der sprechende Wirkstoffkompass

Erfahren Sie mehr zum Glaubersalz in einem kurzen Clip mit Arzt und Apotheker Dr. Peter Reinhard.

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Bitte beachten Sie: Alles, was die Gesundheit unterstützen kann, kann ihr auch schaden. Häufig ist das eine Frage der Dosis oder der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln und möglicherweise bestehenden Grunderkrankungen. Dieses Wirkstoff-Porträt nennt nicht alle Eigenschaften, die bei der arzneilichen Anwendung beachtet werden müssen. Lassen Sie sich daher über mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen von Arzneimitteln.